Albrecht Dürer's Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen
Bernhard Hausmann
Anmerkungen zur Transkription:
Fett gedruckter Text ist gekennzeichnet mit =ist gleich=, gesperrter mit _Untenstrich_ und Fraktur mit ~Tilde~. Hochgestellter Text ist gekennzeichnet mit einem Winkelzeichen, z.B. 23^{ster}.
[Illustration]
Albrecht Dürer’s
Kupferstiche, Radirungen, Holzschnitte und Zeichnungen,
unter besonderer Berücksichtigung der dazu verwandten Papiere und deren Wasserzeichen
vom
Oberbaurath B. Hausmann.
[Illustration]
Mit einem Holzschnitt und acht Tafeln Abbildungen der Wasserzeichen.
Hannover.
Hahn’sche Hof-Buchhandlung.
1861.
Schrift und Druck von Fr. Culomann.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort. I Abschnitt I. Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Dürer’s. 1 Abschnitt II. Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s. 43 Abschnitt III. Die Handzeichnungen Albrecht Dürer’s. 101 Abbildungen Fußnoten
Vorwort.
Bei dem Studio der Incunabeln und alten Drucke des fünfzehnten Jahrhunderts ist -- namentlich in neuerer Zeit -- eine besondere Aufmerksamkeit auf die dazu gebrauchten Papiersorten und deren Fabrikzeichen (Wasserzeichen) gerichtet, über welche die vortrefflichen Werke von Sotheby[1] und anderen, sowie manche Aufsätze im Serapeum, die belehrendste Auskunft geben. Nicht gleiche Berücksichtigung hat indeß dieser Gegenstand bisher in Beziehung auf die Kupferstiche und Holzschnitte der alten Meister gefunden, und doch bieten gerade bei diesen die Papiere und deren Wasserzeichen die interessantesten Aufschlüsse dar, in Beziehung auf die für jeden Kunstfreund, besonders aber für den Sammler, wichtige Frage über die Priorität der Abdrücke.
Bekanntlich haben sich manche Kupferplatten der alten Meister, vorzüglich aber viele ihrer Holzstöcke, noch nach ihrem Tode, zum Theil durch mehrere Jahrhunderte bis auf die Neuzeit erhalten, und sind in den verschiedensten Zeiträumen abgedruckt.
Von entschiedenem Interesse muß es daher für den Kunstliebhaber sein, wenn er auch ohne die nicht immer mögliche Vergleichung mit anderen Abdrücken, schon aus den Papieren des vorliegenden Blattes beurtheilen kann, ob der Druck älter oder neuer ist.
Es kann freilich selbstredend, aus den Papieren allein, ein stets zutreffender Schluß auf die Güte des Abdrucks nicht gezogen werden, denn es kommen zuweilen, auf den ersten Papieren, in Folge häufigerer Benutzung der Platte stumpf gewordene, bei dem Druck mißrathene, oder durch spätere Behandlung verdorbene Abdrücke vor; doch wird es dem Sammler, welcher, die Papiere beachtend, Vergleiche anstellt, nicht entgehen, wie in der Regel die Güte der Abdrücke zu gewissen Papiersorten in genauer Beziehung steht.
Bei keinem der alten Meister ist aber das Studium der Papiere und deren Wasserzeichen wichtiger und belohnender, als bei Albrecht Dürer, da seine zahlreichen, von Anfang an bewunderten und beliebten Arbeiten in Abdrücken von der allerverschiedensten Güte vorhanden sind, welche in sehr von einander entfernten Zeitabschnitten, sowohl während seines Lebens, als nach seinem Tode genommen wurden, und diese Zeitabschnitte sich, zum Theil mit Entschiedenheit, nach den zu den Abdrücken gebrauchten Papiersorten bestimmen oder doch unterscheiden lassen.
Namentlich glaube ich: daß bei den von Dürer mit gedrucktem Text herausgegebenen Holzschnittfolgen, die so lange streitige Frage wegen der Priorität der Abdrücke, mit oder ohne Text, sich durch die Papiere und deren Merkmale mit Bestimmtheit lösen lässt.
Ich selbst, einer der ältesten Dürer-Sammler, denn die ersten Erwerbungen für mein gegenwärtig sehr vollständiges Werk geschahen schon im September 1806 in Paris, bin erst seit etwa sechs Jahren auf die Wichtigkeit des Studiums der Papiere aufmerksam geworden, habe aber dasselbe seitdem mit regem Eifer verfolgt und für diesen Zweck, auf wiederholten Reisen, den größten Theil der öffentlichen Sammlungen Dürer’scher Werke, in und ausserhalb Deutschlands, sowie zahlreiche Privat-Sammlungen sorgfältig durchgesehen, und gestrebt, durch Zusammenstellung der gemachten Beobachtungen zu bestimmten Resultaten zu gelangen.
Bei der Prüfung der Privat-Sammlungen, bin ich von mehreren der eifrigen und unterrichteten Besitzer derselben auf das wirksamste unterstützt, und bei den Vorständen der öffentlichen Sammlungen habe ich, fast ohne alle Ausnahme, eine so bereitwillige Zuvorkommenheit gefunden, daß ich solches nicht dankbar genug erkennen kann.
Leider hat bei einem großen Theile der öffentlichen Sammlungen, das Einkleben der Blätter in Bücher, oder das sorgfältige Befestigen derselben auf die Untersatzbogen, an allen vier Ecken, meine Bemühungen, die Wasserzeichen zu erkennen, sehr erschwert, häufig ganz unmöglich gemacht, und meine Erfolge sind daher, ungeachtet der ausserordentlich großen Zahl von mir geprüfter Abdrücke, durchaus nicht als _erschöpfend_ zu betrachten.
Diese Ueberzeugung hätte mich vielleicht abhalten sollen, mit den Resultaten der von mir gemachten Bemerkungen jetzt schon vor die Oeffentlichkeit zu treten; doch darf man im 78^{sten} Lebensjahre, Nichts auf kommende Zeiten verschieben, und ich hoffe, daß diese, wenn auch mangelhafte Arbeit, jüngere Kräfte veranlassen wird, sie zu vervollständigen und den interessanten Gegenstand weiter zu verfolgen.
Bei Erwähnung der einzelnen Blätter unsers Meisters habe ich indeß geglaubt, mich nicht allein auf das Papier derselben beschränken zu dürfen, da mein langjähriges Sammeln, und die Untersuchung einer so großen Menge von Abdrücken, mir Gelegenheit gegeben hat, auch andere bisher nicht beachtete Notizen zu nehmen, deren Mittheilung nicht ohne Werth sein, namentlich auch zur Berichtigung mancher durch Heller und seine Nachschreiber verbreiteten Irthümer beitragen dürfte.
Ich habe dabei auch die interessanten Nachrichten des Vasari[2] über die Kupferstiche und Holzschnitte Dürer’s berücksichtigt, welche bisher in unsern Werken über dieselben fast gar keine Würdigung gefunden haben.
In dem dritten Abschnitt sind von mir einige Nachweisungen über die große Zahl der vorhandenen Zeichnungen und Skizzen unsers Meisters hinzugefügt, da dieselben bis jetzt weder bekannt noch beachtet genug, und doch so sehr geeignet sind, über die Entwickelung und die vielseitige Thätigkeit dieses großen Künstlers, die wichtigsten Aufschlüsse zu geben.
Auch bei diesen habe ich auf die gebrauchten Papiere und ihre Kennzeichen besondere Aufmerksamkeit verwendet, da eine Beachtung derselben es nicht selten dem Liebhaber erleichtern wird, die Originale von den zahlreichen späteren oft sehr geschickten Nachahmungen zu unterscheiden.
Um die Vergleichung zu erleichtern, habe ich von den wichtigsten Wasserzeichen Durchzeichnungen nehmen lassen und sind solche auf den angefügten Tafeln in der wirklichen Größe abgebildet. Ich muß indeß dabei bemerken, daß mehr oder mindere Abweichungen in den Formen dieser Fabrikzeichen nicht selten vorkommen. Von manchen Wasserzeichen ist es mir nicht möglich gewesen, eine genaue Durchzeichnung zu erhalten, und habe ich mich bei diesen daher, auf eine Angabe der Form derselben und die Entfernung der Drathlinien des Papiers beschränken müssen.
Bei allen vorkommenden Maßen ist der altfranzösische Zoll mit der Eintheilung in 12 Linien zur Anwendung gebracht.
_Hannover_, den 15. Mai 1861.
B. Hausmann.
Abschnitt I.
Die Kupferstiche und Radirungen Albrecht Dürer’s.
Einleitung.
Die Dürer’schen Kupferstiche und Radirungen lassen sich nach Drei Haupt-Perioden eintheilen, nämlich:
1) Diejenigen, welche bis zu seiner Reise nach Venedig gearbeitet wurden, also bis gegen Ende des Jahres 1505.
2) Diejenigen aus der Zeit nach der Italienischen Reise bis zu der Reise nach den Niederlanden, vom Jahre 1507 bis 1520, und
3) Diejenigen, welche nach der Rückkunft aus den Niederlanden entstanden, vom Jahre 1521 bis 1527.
Wie sich im Allgemeinen eine Verschiedenheit der Behandlung in diesen drei Perioden wahrnehmen lässt, so tritt auch eine Verschiedenheit der in denselben zu den Abdrücken verwandten Papier-Sorten und ihrer Wasserzeichen hervor, wohlverstanden _der_ Papier-Sorten, welche sich bei den _früheren_ Abdrücken vorfinden, denn der Fall ist häufig: daß man von derselben Platte gute, zuweilen selbst schöne, wenn gleich später genommene Abdrücke auf Papier-Sorten einer der folgenden Perioden antrifft.
Die Haupt-Papier-Sorte der _Ersten Periode_ hat das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch kömmt auch Papier mit dem Wasserzeichen des gothischen ~P~ vor.
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes findet man, in großer Verschiedenheit der Form und der Beiwerke, schon bei den ältesten Bücher-Drucken, und auch Martin Schön bediente sich desselben vorzugsweise zu seinen Kupferstichen.
Nach neueren Ermittelungen des Herrn Commissairs Gütermann in Ravensburg war der Ochsenkopf das Fabrikzeichen des von der Familie Holbain und deren Nachfolgern verfertigten Leinen-Papiers[3].
Das von Dürer zu seinen Kupferstichen benutzte Papier, mit jenem Wasserzeichen, wie solches auf den angefügten Tafeln unter Nr. 1 abgebildet ist, hat über dem Ochsenkopf einen einfachen Drathstrich mit einer 5-blättrigen Blume, unter demselben einen gleichen Strich, der mit einer dreieckigen Spitze und zwei Queerstrichen darüber endigt.
Die Masse dieses Papiers ist überaus weich und fein, es ist mit einem sehr dichten Drathsieb geschöpft und so dünn: daß man das Wasserzeichen zuweilen schon auf der Stirnseite sehen kann. Die durchlaufenden Drathstriche sind nicht stark, oft schwer wahrzunehmen; ihre Entfernung beträgt gewöhnlich 13¾ bis 14¼ Pariser Linien, doch ist solche auch etwas geringer bis 13¼, oder etwas größer bis 15 Linien.
Dieses Papier ist, seiner Feinheit wegen, sehr dem Einreißen ausgesetzt, sonst für die Schönheit der Abdrücke besonders günstig.
Bei einzelnen Stichen Dürers -- jedoch nicht häufig -- kommt ein Papier mit dem Ochsenkopfe vor, über welchem sich auf doppelten Drathstrichen ein Kreuz mit einer Blume darüber befindet, Nr. 2. Dieses ist bedeutend dicker als das vorher bezeichnete, pergamentartig, und die Drathstriche sind kaum bemerkbar.
Das Papier mit dem gothischen ~P~, Nr. 3, ist ebenfalls stärker als das feine Ochsenkopf-Papier und zeigt im Gewebe eine weit weniger dichte Schöpfform, die Drathstriche sind oft nicht zu erkennen.
* * * * *
In der _zweiten_ Periode findet man im Anfange, namentlich bei den kleineren Blättern, noch häufig das Papier mit dem Ochsenkopf, auch trifft man es, jedoch selten, bei einzelnen der größeren Blätter aus dieser Zeit. Bald aber, und besonders nach 1510, wird dieses durch das Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone verdrängt, und verschwindet ganz bei den größeren Blättern mit dem Jahre 1513. An dieses Papier mit der hohen Krone reihen sich, wiewohl nicht so häufig, Papiere mit den Wasserzeichen des Reichsapfels, eines Ankers im Kreise, und zweier mit Zinnen gekrönter Thürme, welche durch eine Mauer verbunden sind.
Das Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone (auch wohl Kaiser-Krone genannt), Nr. 4, welches, zwar selten, doch namentlich bei alten Zeichnungen schon in den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts vorkömmt, und von unserm Meister in den zu der Verwendung geeigneten Sorten besonders viel gebraucht ist, hat im Stirnreif der Krone fünf Perlen und auf dem hohen verzierten Bügel ein Kreuz. Die Masse des Papiers ist nicht so milchweiss wie bei demjenigen mit dem Ochsenkopf, sie fällt etwas ins gelbliche und ist mit einer weniger dichten Drathform geschöpft. -- Das Papier ist griffiger und bei den erhaltenen Rändern gegen die Platte vorstehend.
Die Drathstriche sind sichtbar, aber in ihrem Abstände oft auf demselben Bogen verschieden. Gewöhnlich findet man sie 13½ bis 14 Pariser Linien von einander entfernt, zuweilen nur 12½ und 13, dagegen auch 15¼ Linien, letzteres jedoch selten.
Das Papier mit dem Reichsapfel und einem fünfstrahligen Stern darüber als Wasserzeichen, Nr. 5, ist fest und hat 13¾, zuweilen auch 15 Linien entfernte Drathstriche.
Dasjenige mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels, mit einem Kreuz darüber, Nr. 6, ist besonders fest und in innerer Güte dem Kronen-Papier ähnlich, es unterscheidet sich indeß von diesem dadurch, daß der Abstand der Drathstriche nur 11½ Linien beträgt.
Das Papier mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 7, ist nicht sehr fein von Masse, aber kernigt; die Drathstriche sind 13½ bis 14 Linien von einander entfernt.
Bei den Papieren, deren Wasserzeichen in zwei mit Zinnen versehenen Thürmen besteht, welche ein durchbrochenes Stück Mauer, mit ein oder zwei Spitzen darunter, verbindet, Nr. 8 und 9, findet man die Masse fein, wenngleich nicht immer so rein, wie bei manchen der früheren Sorten; die Entfernung der Drathstriche ist verschieden und beträgt 12, 13¼ auch 14 Linien.
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Das in der _dritten Periode_ fast ausschliesslich vorherrschende Papier hat das Wasserzeichen eines kleinen Kruges mit einem Henkel.
In den allerletzten Lebensjahren Dürers kömmt noch das Wasserzeichen eines Wappens mit zwei Lilien und einer großen Krone darüber, so wie das ebenfalls mit einer Krone bedeckte Wappen von Nürnberg vor.
Das Papier mit dem Henkelkruge, Nr. 10 oder 10^a, ist von einer feinen weißen Masse, nicht sehr dick, doch in sich fest. Seine Drathstriche haben eine Entfernung von 12¾ bis 13¼ Pariser Linien.
Bei den _ersten Abdrücken_ Dürer’scher Blätter findet man dasselbe vor dem Jahre 1520 nicht, dagegen kömmt es bei den späteren Abdrücken mehrerer Platten aus früheren Perioden vor, welche, wenngleich weniger kräftig als früher, der auf den Druck verwandten Sorgfalt nach, von unsrem Meister selbst veranstaltet zu sein scheinen, vielleicht um den auf der Niederländischen Reise abgesetzten Vorrath zu ergänzen. -- Vorzüglich trifft man es aber bei solchen Platten, deren Abdrücke früher weniger in den Handel gekommen und in dem Reise-Tagebuche unter denen auf derselben verkauften nicht verzeichnet sind.
Allgemeine Verwendung scheint dieses Papier aber nach Dürers Tode bei dem Abziehen seiner Kupferplatten aus allen Perioden gefunden zu haben, denn man findet dasselbe häufig bei Abdrücken, deren breite Papierränder erhalten sind, welche aber den früheren Abdrücken, namentlich denen auf Ochsenkopf- oder Kronen-Papier an Wärme und Frische der Farbe wesentlich nachstehen. So hatte unter anderen ein großer Theil, der durch breite Papierränder mehr, als durch die Schönheit des Drucks ausgezeichneten Blätter der im Jahre 1853 in Leipzig verkauften Ackermannschen Sammlung, Papier mit dem Wasserzeichen des Henkelkruges.
Das Wasserzeichen des mit einer Krone bedeckten Wappenschildes mit zwei Lilien und einem gothischen ~b~ darunter, Nr. 11, ist auch in Hellers Leben und Werke Albrecht Dürers, 2. Theil, pag. 46, abgebildet. Die Drathstriche haben eine Entfernung von 11 Linien.
Das Papier mit dem Wappen von Nürnberg und einer Krone darüber, Nr. 12, welches am frühesten auf einzelnen Bogen Dürer’scher Manuscripte auf der Nürnberger Stadt-Bibliothek vorkommt, hat eine Entfernung der Drathstriche von 13¾ Linien.
Die Papiere mit dem vorbemerkten Wasserzeichen 1 bis 12 glaube ich, meinen Wahrnehmungen nach, als diejenigen bezeichnen zu dürfen, welche Albrecht Dürer _in der Regel_ zu den von ihm selbst gemachten oder besorgten Abdrücken seiner Kupferstiche und Radirungen verwendet hat, welches indeß nicht ausschliesst: daß einzelne andere Papiere, ohne oder mit abweichenden Wasserzeichen von ihm -- jedoch nur in einzelnen Fällen -- gebraucht sein mögen.
Von einer Anzahl anderer Wasserzeichen, welche man in Abdrücken Dürer’scher Platten antrifft, glaube ich dagegen bestimmt behaupten zu können: daß solche Papieren angehören, welche erst nach Dürer’s Tode, theilweise erst in späteren Zeiten, zu seinen Kupferstichen und Radirungen verwendet wurden.
Die vorzüglichsten davon sind:
Der stehende Hund mit gestutzten Ohren, Nr. 13. Entfernung der Drathstriche 13¼ Linien.
Zwei Thürme mit einem Mauerstück dazwischen, Nr. 14. Entfernung der Drathstriche 11½ Linien.
Das Wappen der Stadt Schrobenhausen in Ober-Bayern, Nr. 15. Abstand der Drathstriche 13 bis 13¾ Linien.
Das, dem der Stadt Nürnberg ähnelnde Wappen mit einem Mohrenkopfe darunter, Nr. 16. Entfernung der Drathstriche 12¾ Linien.
Der doppelte Reichsadler mit einem Thurm, Nr. 17. Entfernung der Drathstriche 12 Linien.
Das Wahrzeichen von Augsburg, der Kelch mit dem Tannzapfen (Zirbel-Nuss), Nr. 18. Abstand der Drathstriche 16 Linien.
Auch auf diesen Papieren findet man ab und an einen guten Abdruck, doch nur von einzelnen bis dahin weniger abgenutzten Platten. Einen Vergleich mit früheren frischen Abdrücken halten sie indeß nicht aus.
Die Bestimmung der Papier-Sorte des einzelnen Abdrucks bietet übrigens oft große Schwierigkeiten dar, denn in der bei weitem größeren Zahl der in den Sammlungen vorhandenen Dürer’schen Blätter ist das Wasserzeichen nicht zu sehen.
Ungeachtet der eifrigst darauf verwendeten Sorgfalt ist es mir bis jetzt bei 23 Dürer’schen Blättern nicht gelungen, ein Wasserzeichen aufzufinden, und in den vollständigsten der mir zugänglich gewesenen Sammlungen beträgt die Zahl der Abdrücke mit sichtbarem Wasserzeichen, die kleine Passion ausgenommen, nicht über Siebenunddreissig.
Wo aber das Wasserzeichen nicht sichtbar ist, entstehen große Ungewißheiten dadurch: daß die sonstigen Kennzeichen des Papiers, die Entfernung der Drathstriche und das innere Gewebe theils nicht gleich sind, theils nicht immer wahrgenommen werden können.
Bei diesen alten Papieren kömmt es vor: daß auf einzelnen Bogen die Drathstriche um 1 bis 3 Linien im Abstande verschieden, auch durch die stärkere oder geringere Anfeuchtung behuf des Drucks verändert sind; das Gewebe des Papiers aber ist durch das nur zu häufige Waschen und Bleichen der Abdrücke, oder durch scharfes Pressen, oft bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Daß aber in den Abdrücken so häufig kein Wasserzeichen vorhanden ist, erklärt sich daraus: daß von manchen Platten zwei, von den meisten vier auf einen Bogen gedruckt wurden. Dürer selbst unterscheidet in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise die »Ganz Pögen,« »Halb Pögen« und »Viertels Pögen«. -- Von ersteren war ein ganzer Bogen zu einem Abdruck erforderlich, und auf den großen Blättern findet man daher, besonders wenn sie auf Ochsenkopf-Papier gedruckt sind, in der Regel das ganze Wasserzeichen.
Bei den »Halb Pögen« konnte nur _ein_ Abdruck von zweien das Wasserzeichen erhalten, bei den »Viertels Pögen« blieben aber jedesmal zwei Abdrücke ohne Zeichen, und zwei erhielten nur einen Theil davon, wobei das Meiste auf die Papierränder von ansehnlicher Breite fiel und mit diesen fast allgemein verloren gegangen ist.
Man sieht daher bei den kleineren Blättern, wenn sie keinen breiten Papierrand haben, vom Ochsenkopf höchstens die obere Blume oder die untere dreieckige Spitze, von der hohen Krone den Stirnreif oder das Kreuz.
Das Kronen-Papier scheint dabei von doppelter Größe gewesen zu sein, denn man trifft die großen Blätter, welche meist auf diesem Papier gedruckt sind, nicht selten ohne Wasserzeichen, jedoch auf Papier, welches den übrigen Kennzeichen nach jenem ganz gleicht. Besonders ist dieses bei den größeren Blättern aus der Periode von 1513 bis 1520 der Fall, wo das Ochsenkopf-Papier von kleinerem Format nicht mehr verwendet wurde. Man könnte veranlaßt werden zu vermuthen: daß Dürer in dieser Periode Papier-Sorten ohne Wasserzeichen gebraucht hätte, wenn man nicht bei den Holzschnitten sowohl, als bei den Handzeichnungen aus dieser Zeit fast immer Wasserzeichen fände.
Bei dem Papiere mit dem Henkelkruge kommt noch der Umstand hinzu: daß das sehr kleine Wasserzeichen sich nicht in der Mitte des Bogens, sondern an der Seite befindet, und daher häufig mit dem Papierrande verschwunden ist.
Da, wo ich auf den Abdrücken einzelner Blätter kein Wasserzeichen habe wahrnehmen können, sind von mir die Entfernungen der Drathstriche, in sofern sie sichtbar waren, angegeben, da solche immer einige Anhaltspunkte gewähren.
Im Allgemeinen kann man bei Beurtheilung der Papier-Sorten als Regel annehmen: daß die ältesten die festesten, oder doch von besonders sorgfältig gewählter Masse sind. Ihre Drathstriche haben dabei eine größere Entfernung von einander. Mit dem allmählichen Geringerwerden der Güte der Masse schwindet auch in der Regel der Abstand dieser Drathstriche, welcher von 16 Linien und darüber bis unter 11 Linien herabsinkt.
Um nun auf die einzelnen Kupferstiche und Radirungen überzugehen, so glaube ich, ohne die von Young Ottley[4] und Heller[5], auf eine meines Erachtens nicht glückliche Weise, versuchte Bestimmung der Priorität jedes einzelnen Blattes unternehmen zu wollen, doch -- als der Ersten Periode angehörend -- die folgenden 30 Blätter bezeichnen zu dürfen, bei deren Nummern ich, wie bei allen folgenden, diejenigen des Peintre Graveur von Bratsch angenommen habe, welches Handbuch in Beziehung auf Albrecht Dürer noch immer das sicherste bleibt. Dieses sind: B. Nr. 1, 2, 28, 29, 30, 34, 42, 44, 55, 56, 63, 68, 69, 75, 76, 78, 80, 81, 82, 83, 85, 86, 88, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 101. --
Young Ottley nimmt bei seiner Ordnung der Dürer’schen Blätter für diesen ersten Zeitabschnitt eine weit größere Zahl (46 Blatt) an, da er ohne genügenden Grund alle diejenigen Stiche dahin rechnet, denen die Jahreszahl fehlt.
Dürer ist aber bei der Bezeichnung seiner Arbeiten in dieser Beziehung durchaus nicht gleichmäßig verfahren.
Wenn auch die Kupferstiche, welche er nach der Rückkunft aus den Niederlanden arbeitete, sämmtlich mit der Jahreszahl versehen sind, so geschah dieses vor der Reise dorthin keinesweges unbedingt; wie solches sich bei mehreren Kupferstichen, besonders auch durch die Bezeichnung zahlreicher Skizzen und Zeichnungen, nachweisen läßt, welche unverkennbar dieser zweiten Periode angehören. Auch der wiederholt gemachte Versuch, durch die Form des Monogramms die Zeit der Anfertigung bestimmen zu wollen, führt nur bei einigen der frühesten Blätter zu einem genügenden Resultate.
Kein Meister ist wohl so verschieden wie Dürer in der Zeichnung seiner Monogramme gewesen, welche -- obwohl durch einen gewissen allgemeinen Character, bei einiger Uebung sehr wohl von den häufigen Nachbildungen derselben zu unterscheiden -- besonders bei seinen Zeichnungen höchst abweichend von einander sind, und häufig in Beziehung zu der mehr oder minderen Ausführung der Arbeit stehen.
Auch Heller hat in seinen ersten beiden Abtheilungen, welche den von mir angenommenen Zeitraum begreifen, 7 Blätter mehr als ich aufgeführt. Ueber einige derselben kann die Ansicht zweifelhaft sein, doch werde ich es bei den einzelnen Blättern versuchen, die Verweisung in die zweite Periode zu rechtfertigen.
Zu dieser zweiten Periode zähle ich: B. Nr. 3 bis 18, 19 bis 26, 31 bis 33, 35 bis 41, 43, 48, 50, 53, 54, 57, 58 bis 62, 64 bis 67, 70 bis 74, 77, 79, 84, 87, 89, 90, 91, 98, 99, 100, 102.
Die dritte Periode enthält nur die Kupferstiche B. 46, 47, 49, 51, 52, 103, 104, 105, 106 und 107.
* * * * *
Das Jahr, in welchem Albrecht Dürer zuerst in Kupfer gestochen hat, ist bis jetzt nicht ermittelt; doch muß man annehmen: daß er -- als Goldschmiedslehrling, mit der Kunst in Metall zu graben, bekannt geworden -- durch die vortrefflichen Kupferstiche der Meister des fünfzehnten Jahrhunderts schon früh veranlaßt gewesen sein wird, sich selbst in der Kupferstecher-Kunst zu versuchen.
Da er bereits im Jahre 1498 das große Holzschnitt-Werk der Apokalypse vollendet hatte, so ist es höchst wahrscheinlich, daß einzelne Kupferstiche von ihm noch vor dieser Zeit gearbeitet sein werden, wenngleich ich auf den gewöhnlich dafür angeführten Beweis, die Jahreszahl 1497 auf dem Kupferstich der »Vier nackten Frauen«, B. 75, ein zu großes Gewicht nicht legen möchte; da die Bemerkungen des Herrn Dr. Nagler über dieses Blatt, im dritten Hefte seiner Monogrammisten, pag. 168, Nr. 33, wohl beachtet zu werden verdienen.
Wenn der in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Dresden vorhandene Abdruck der Bekehrung Pauli wirklich, wie der verstorbene Director Frenzel es darzuthun unternommen hat[6], von einer Kupferplatte Albrecht Dürer’s herrührt, so möchte dieses allerdings wohl der erste Versuch gewesen sein.
Obgleich einige Verwandtschaft dieser Bekehrung Pauli mit einzelnen Figuren und Anordnungen der Apokalypse zugegeben werden muß, auch ähnliche Reutergestalten auf einer früheren Zeichnung Dürer’s vom Jahre 1489 in der Sammlung der Kunsthalle in Bremen vorkommen, so läßt doch eine gewiße widerwärtige, dem Dürer sonst nicht eigene Rohheit dieses Blattes und die Schwäche der Landschaft, namentlich der Architectur in derselben, gerechten Zweifeln Raum.
Besonders möchte auch schwer zu erklären sein: wie die Zartheit der Kupferstiche des Meisters vom Jahre 1466 und des Martin Schongauer gar keinen Einfluß auf den angehenden Künstler ausgeübt haben sollten.
Ist diese Platte wirklich von Dürer gestochen, so muß es in sehr jungen Jahren geschehen sein, denn im Jahre 1494 bewies er sich schon in der schönen Zeichnung, durch welche er seine Aufnahme als Meister bewirkte, jetzt in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg, als einen Künstler von so feinem Naturgefühl und so genauem Studio des Landschaftlichen, daß er einen Stich, wie den der Bekehrung Pauli, gewiß nicht mehr gearbeitet haben würde.
Der Abdruck in Dresden ist restaurirt und aufgezogen, daher ich über das dazu verwandte Papier keine Beobachtungen zu machen im Stande gewesen bin.
Zu den frühesten Dürer’schen Stichen gehört jedenfalls auch der große Courier, B. 81, wenn er überall von der Hand unseres Meisters herrührt, worüber -- wohl nicht ohne Grund -- bedeutende Zweifel obwalten.
Einige Uebereinstimmung mit diesem, besonders aber mit der vorhin erwähnten Zeichnung vom Jahre 1489 hat das von Bartsch unter Nr. 92 »le Violent« genannte Blatt, welches auch ohne Monogramm ist und jedenfalls zu den Erstlingen seiner Leistungen als Kupferstecher gehört.
Der nur in Contouren angelegte Hintergrund der Landschaft und die eckige Behandlung des Strauchwerks sind Eigenthümlichkeiten, welche auf der erwähnten Zeichnung ebenfalls vorhanden sind, auf späteren Stichen Dürer’s so aber nicht wieder vorkommen.
Diesem Stiche dürfte sich am nächsten, B. 44, »die heilige Familie mit dem Schmetterlinge« (richtiger der Heuschrecke) anschließen, welcher ebenfalls dem 15. Jahrhunderte angehören muß, da Israel von Meckem, welcher 1502 starb, davon eine Copie gestochen hat.
Der Form des Monogramms nach wird die »Liebes-Erbietung«, B. Nr. 93, etwa auf das vorstehende Blatt folgen; hier finden wir bei mancher Rohheit des Stiches doch schon eine größere Ausbildung der Landschaft und auch eine sorgfältigere Behandlung der Gesträuche.
Weiter die Priorität der einzelnen Stiche mit einiger Sicherheit zu verfolgen, halte ich für sehr schwierig, und ziehe es, besonders auch der bequemen Uebersichtlichkeit wegen, vor, meine Bemerkungen über die einzelnen Blätter nach den Nummern des Peintre graveur von Bartsch folgen zu lassen.
B. Nr. 1. Adam und Eva. 1504.
Dieses vollendete Blatt gilt mit Recht für einen der vortrefflichsten Kupferstiche unsers Meisters, wie seiner Zeit, auch hat er selbst es besonders hoch gehalten, da Abdrücke davon am häufigsten unter den zahlreichen Geschenken vorkommen, welche Albrecht Dürer -- seinem Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden zufolge -- auf dieser gemacht hat.
Auf keinen seiner Kupferstiche ist indeß von ihm auch so viel Sorgfalt verwendet. -- Verschiedene Federzeichnungen und Studien zu den einzelnen Theilen sind noch vorhanden und Dürer hat bei dem allmählichen Fortschreiten der Arbeit wiederholt Probedrucke von der Platte genommen, von denen noch drei Exemplare erhalten sind.
Zwei dieser unvollendeten Abdrücke, früher im Cabinet Durand, befinden sich in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, den dritten, aus der Sammlung Verstolck, bewahrt das Printroom des Britischen Museums.
Auf diesen Probedrücken ist die ganze Anlage des Stiches in den zartesten aber sichersten Umrissen vorhanden, während die Ausführung nur in einzelnen Theilen, weniger oder mehr fortgeschritten ist.
Dürer hat dabei von der rechten Seite der Platte nach der linken gearbeitet, zuerst den Hintergrund oben bis zur Eva, wie einige der Thiere, und die Beine des Adam von den Hüften an, nach einander, ausgeführt.
Kein Blatt von Dürer findet man so häufig wie dieses in schönen, oft vortrefflichen Abdrücken. Die aller frühesten derselben sind -- neben tiefer Schwärze der Farbe -- an einer besonderen Schärfe der Umrisse und der Grabstichel-Lagen erkennbar, welche letztere am Halse und der Backe der Eva fast die Harmonie beeinträchtigen, bei späteren Abdrücken dagegen immer milder werden.
Auf einem der ersten dieser Abdrücke, welcher mir vorliegt, sieht man noch die leise Spur zweier Ausgleitungen des Grabstichels, auf der linken Lende der Eva und einer auf der rechten Lende, welche später nicht mehr wahrzunehmen sind.
Höchst selten trifft man diesen Kupferstich in vollendeter Erhaltung des Papiers; selbst in den berühmtesten Sammlungen sieht man geflickte oder unterlegte Exemplare.
Diese Zerbrechlichkeit liegt unstreitig in der Feinheit des Papiers mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1, welches ich ausschließlich bei _alten_ Drucken dieses Blattes angetroffen habe, und ich halte diese für den hauptsächlichsten Grund, weshalb Dürer späterhin, namentlich bei seinen großen Blättern, das weit haltbarere Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone zu verwenden pflegte.
Die Platte ist übrigens späterhin noch abgedruckt, denn ich habe matte Abzüge auf Papier mit dem Wasserzeichen zweier verbundener Thürme, wie einzelne recht schlechte Abdrücke des stark abgenutzten Kupfers angetroffen.
B. Nr. 2. Die Geburt Christi 1504.
Weit seltner als das vorhergehende Blatt, ist dieser in schönen Drücken höchst malerische Stich, von Dürer als »die Weihnachten« bezeichnet und von ihm ebenfalls zu Geschenken verwandt.
Die ausgezeichneten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes Nr. 1.
B. 3 bis 18. Das Leiden Christi.
Christus am Fuße des Kreuzes von den Seinen beweint, vom Jahre 1507, B. 14, ist der erste Stich, welchen Dürer nach seiner Rückkunft von Venedig gearbeitet hat, daran reihen sich die im Jahre 1508 gestochenen »Christus im Oelgarten«, und »die Gefangennehmung«, B. 4 und 5, »der Schmerzensmann« vom Jahre 1509, B. 9, »die Kreuzigung« vom Jahre 1511, B. 13, die Blätter B. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 15, 16 und 17 vom Jahre 1512, endlich B. 18 vom Jahre 1513.
Vergleicht man die einzelnen Blätter unter einander, so tritt das älteste, B. 14, wesentlich gegen die übrigen zurück, wogegen die Stiche vom Jahre 1508 mit zu den schönsten der ganzen Folge gehören, übrigens sind auch unter den Blättern vom Jahre 1512 einige, z.B. B. 7, 8 und 11, welche in malerischer Wirkung der Abdrücke gegen die übrigen zurückstehen.
Dürer hat ohne Zweifel einzelne Stiche dieser Folge verkauft, ehe das ganze Werk vollendet war, auch scheinen mehrere der Blätter, namentlich B. 3, 13 und 17, welche sich besonders zu dem damals gebräuchlichen Einlegen in die Gebetbücher eigneten, bedeutend häufiger als die übrigen abgedruckt zu sein, da in den vollständigen Exemplaren dieser Folge, auch in den sonst gleichmäßigsten, diese drei Stiche häufig matter zu sein pflegen als die übrigen. Eine Ausnahme davon macht indeß das wundervolle Exemplar in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in Copenhagen, wo grade diese Abdrücke fast die schönsten sind.
Dieses schöne Werk, von Dürer in seinem Tagebuche »die Passion in Kupffer« genannt und für 10 Stüber (einen halben holländischen Gulden) verkauft, hat sich vielfach in guten Abdrücken bis auf unsere Zeiten erhalten, zu den Seltenheiten gehören indeß _ganz gleichmäßige_ Exemplare.
Einzelne sehr schöne Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich bei den guten recht gleichmäßigen Abdrücken _des ganzen Werkes_ in der Regel immer Papier mit der hohen Krone angetroffen, und glaube daher: daß diejenigen von Dürer auf seiner Reise in den Niederlanden verkauften, nach seinem Tagebuche recht zahlreichen Exemplare, auf diesem Papier abgedruckt sein werden.
Das Berliner Kupferstich-Cabinet und die vortreffliche Dürer-Sammlung des Herrn Commeter in Hamburg bewahren wohlerhaltene besonders gleichmäßige Exemplare auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels mit Stern, Nr. 5, doch sind solche in Farbe nicht ganz so kräftig, wie die vorhin bezeichneten auf Ochsenkopf- oder Kronen-Papier.
In anderen Sammlungen findet man auch wohl gleichmäßige aber schwächere Abdrücke, welche einer späteren Zeit angehören. So kommen auf Papieren mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, oder der Thürme mit Mauer, Nr. 14, ganze Folgen manchmal mit breitem Papier-Rande vor, welche aber in Kraft den früheren Abdrücken weit nachstehen. Die Platten sind überhaupt bis auf das äußerste abgenutzt worden, wie die ansehnliche Zahl völlig werthloser Abdrücke beweist, welche sich in manchen Sammlungen umhertreiben.
B. 19. Christus im Gebet im Oelgarten. 1515.
Dieses ist eine sehr häufig vorkommende Radirung, da die Platte sich bis auf die neueste Zeit erhalten hat und zuletzt im Besitze von Heller war[7]. Die alten reinen, ganz rostfreien Abdrücke auf Papier von feiner weißer Masse mit einem Abstande der Drahtstriche von 13½ Linien oder mit dem Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme sind indeß selten.
Die neueren Abdrücke trifft man oft schwarz und voller Rostflecke, die Papiere derselben sind von geringer Güte.
B. 20. Der Mann der Schmerzen mit ausgebreiteten Armen.
Ein schönes, in recht kräftigen Abdrücken, sehr seltenes Blättchen, welches Heller mit Unrecht zu den früheren Arbeiten Dürer’s rechnet. Es unterscheidet sich von diesen durch die sorgfältigere, durchgebildete Behandlung des Vorgrundes und ich möchte, nach der großen Uebereinstimmung in Gefühl und Ausdruck mit dem folgenden Blatte, glauben: daß es nicht früher als dieses gearbeitet sein wird.
Der größere Theil der schönen Abdrücke ist auf Papier mit der hohen Krone, doch habe ich auch einzelne auf Ochsenkopf-Papier angetroffen.
B. 21. Der Mann der Schmerzen mit gebundenen Händen. 1512.
Dieses, durch den tiefen leidensvollen Ausdruck höchst ergreifende, mit der kalten Nadel gearbeitete, oder geritzte[8] Blatt, ist in schönen Abdrücken höchst selten und kommt in voller Kraft und Wärme nur in sehr wenigen Sammlungen vor. Die besseren Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, die späteren werden zuletzt, fast bis zur Unkenntlichkeit, matt.
B. 22. Der Mann der Schmerzen sitzend. 1515.
In ersten, ganz reinen Drucken gehört diese Radirung zu den größten Seltenheiten, ist dann aber so schön, wie eine Federzeichnung Dürer’s.
Ein solches Exemplar wird dem Herrn Dr. Nagler nicht vorgelegen haben, wenn er, im dritten Hefte seiner Monogrammisten, pag. 158 und 159, dieses Blatt, verglichen mit der mit dem Monogramm und der Jahreszahl 1510 bezeichneten Copie, für eine Nachbildung, jene aber für das Original zu halten geneigt ist. Eine Vergleichung guter Abdrücke von beiden läßt, meines Erachtens, an der Ursprünglichkeit der mit der Jahreszahl 1515 bezeichneten Radirung durchaus nicht zweifeln, auch stimmt hiermit überein: daß Dürer erst nach seiner im Jahre 1515 nach Augsburg unternommenen Reise die Aetzkunst ausgeübt hat[9]. Die ersten Abdrücke dieser Platte sind auf sehr festem Papier, dessen Drahtstriche eine Entfernung von 13¼ bis 13½ Linien haben.
Auch von diesem Blatte, wie von der vorher bezeichneten Copie, giebt es zahlreiche spätere Abdrücke mit Rostflecken und Schmutz.
B. 23. Die Kreuzigung oder der Degenknopf.
Von den kleinen eminent seltnen Kupferstichen Dürer’s kommt dieses berühmteste seiner Blätter noch am ersten, auch in Privat-Sammlungen, vor.
Das Original ist jetzt, durch die von dem um die Kunst hochverdienten Inspector Passavant angegebenen Merkmale leicht zu erkennen.
Ich habe davon 18 Exemplare in Händen gehabt, darunter 5 in Wien, ohne jedoch im Stande gewesen zu sein: mit Sicherheit über das dazu verwandte Papier ein Urtheil zu fällen.
Der Festigkeit desselben nach glaube ich darin das Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone zu erkennen, auch möchte dieser vortreffliche Stich wohl in die Periode von 1510 bis 1514 zu setzen sein.
Die Abdrücke sind ziemlich gleichmäßig, nie sehr voll in Farbe, einige sind indeß matter, auch wohl verwischt.
Die Copie A nach Passavant, nach Bratsch das Original, ist fast eben so selten als das vorstehende Blättchen; in der Detmold’schen Auction wurde dieselbe mit 60 Thlr. bezahlt.
Die Abdrücke sind weniger gleich und manchmal gering.
Uebrigens ist die gestochene Silberplatte, von welcher die Original-Abdrücke herrühren, ursprünglich nicht für die Vervielfältigung auf Papier bestimmt gewesen und gearbeitet. Dieses beweiset: daß in den Abdrücken nicht nur die Schrift am Kreuze INRI verkehrt erscheint, sondern auch die ganze Composition, gegen alle anderen Darstellungen der Kreuzigung durch Dürer, eine entgegengesetzte Anordnung zeigt; indem hier Johannes links vom Kreuze und die Mutter rechts von demselben stehen, während sonst stets das Umgekehrte stattfindet.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß diese Platte zur Verzierung des Schwertes Kaiser Maximilians gedient hat und auch von Dürer zu diesem Zwecke gestochen ist. Inzwischen hat sie nicht den Knopf desselben geziert, sondern den Handgriff.
Dieses reich gearbeitete Kaiser-Schwert ist noch jetzt in der Ambraser Sammlung in Wien vorhanden, und der rund geformte Knopf desselben bietet keinen Platz für eine solche Platte, wohl aber der umfangreiche an beiden Seiten flach gearbeitete Handgriff. Auf der einen dieser Seiten ist in der Mitte ein etwas kleineres Rund mit dem auf das sauberste in Email gearbeiteten Wappenschilde eingelassen, auf der andern Seite aber war dieses Crucifix eingefügt, wie der auf das genaueste mit dem Umfang desselben übereinstimmende Rand einer geringen Vertiefung beweist.
Diese Vertiefung ist gegenwärtig durch ein altes in Silber getriebenes Schaustück, ungefähr gleicher Größe, ausgefüllt, anscheinend byzantinischer Arbeit, welches aber weder zu dem Styl, noch zu den übrigen Verzierungen des Schwertes, noch genau in den Rand der Vertiefung paßt und augenscheinlich später, nur mangelhaft, eingesetzt ist. Nach mündlichen Ueberlieferungen soll die Dürer’sche Platte, ihrer Schönheit wegen, schon in früheren Zeiten aus ihrem ursprünglichen Platze herausgenommen und in die Kaiserliche Schatzkammer in Wien gebracht sein, aus welcher sie indeß spurlos verschwunden ist[10].
B. 24. Christus am Kreuze sterbend. 1508.
Von diesem Stich, welchen Dürer »das Creuz« benennt und in seinem Tagebuche mehrfach erwähnt, habe ich einzelne Abdrücke von ganz bewundernswürdiger Kraft und Wärme gesehen. Sie sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch kommen auch sehr gute Abdrücke auf Kronenpapier vor. Das Blatt muß sehr beliebt gewesen sein, denn man findet Abdrücke von der schon sehr abgenutzten Platte, auf Papiersorten, welche noch der Lebens-Periode Dürer’s angehören.
B. 25. Das von zwei Engeln getragene Schweisstuch. 1514.
Dieser schöne Stich wird von Dürer in seinem Tagebuche als »die Veronicam« bezeichnet. Er ist nicht häufig, besonders in vollkommen schönen Abdrücken. Das Papier mit Entfernung der Drahtstriche von 13½ Linien, entspricht demjenigen mit dem Wasserzeichen der hohen Krone.
B. 26. Das Schweisstuch, von einem Engel in die Luft gehalten. 1516.
Nicht so häufig als B. 19 ist diese Radirung, doch kann man nur die ersten, ganz rostfreien Abdrücke als selten bezeichnen. Ihr Papier ist weiss und fest, mit einer Entfernung der Drahtstriche von 13 Linien.
Spätere Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 14, mit nur 11 Linien Abstand der Drathstriche.
B. 27. Die Dreieinigkeit,
übergehe ich, als eine entschiedene Arbeit _nach_ Dürer von fremder Hand.
B. 28. Der verlorene Sohn.
Ein schönes und sehr beliebtes Blatt, zu welchem sich der nur theilweise ausgeführte Entwurf mit der Feder im Printroom des British Museums befindet. Es wird schon von Vasari rühmend erwähnt, welcher besonders die schönen Baulichkeiten hervorhebt.
Unter den großen Blättern, welche Dürer in seinem Tagebuche der Reise nach den Niederlanden namhaft gemacht hat, kömmt dieser Stich nicht vor, auch sind die frühesten Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder des Reichsapfels, Nr. 5, sehr selten.
Man erkennt die ersten davon daran: daß links oben in der Luft von der Einfassungslinie bis auf die Dächer der Häuser, so wie unten rechts durch die Schweine mehrere perpendikuläre Kritzeln der Platte fast störend sichtbar sind, welche bei den bessern späteren Abdrücken noch wahrgenommen werden, dann aber immer mehr verschwinden. Die Platte muß übrigens sorgfältig erhalten sein, denn es kommen von diesem Stich, welcher der ersten Periode Dürer’s angehört, noch gute Abdrücke mit den späteren Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, des stehenden Hundes, Nr. 13, der Thürme mit Mauer, Nr. 14, auch des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15, vor.
B. 29. Die heilige Anna und die Jungfrau.
Dieses liebliche Blättchen, in recht schönen Abdrücken nicht häufig, hat dann Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, man findet es indeß auch auf Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges.
Die späteren Abdrücke sind oft sehr abgenutzt und kraftlos.
B. 30. Die Jungfrau mit langem Haar.
In den recht vollen und warmen Abdrücken ist dieser Stich ausnehmend schön, aber man sieht ihn so nur höchst selten. Selbst in den klaren, weniger kräftigen Abdrücken ist er nicht häufig.
Ich habe diese Platte, übereinstimmend mit Heller, unter die Arbeiten der ersten Periode aufgenommen, doch scheint sie erst später häufiger zum Abdruck gekommen zu sein.
Nur selten findet man einen Abdruck mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes im Papier, dagegen sehr schöne auf Papier mit der hohen Krone. -- Spätere gute aber weniger kräftige Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges.
B. 31. Die Jungfrau mit der Sternen-Krone. 1508.
Dieses Blatt kömmt zuweilen in außerordentlich kräftigen Abdrücken auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vor, jedoch selten. Sie haben Kritzeln in der Kupferplatte und Plattenschmutz rechts unten neben dem Monogramme. Andere gute Abdrücke haben Papier mit 13½ Linien Abstand der Drahtstriche. Dieser Stich scheint, wie alle die kleinen Madonnen Dürer’s, welche auch von Vasari besonders rühmend erwähnt werden, schon früh starken Absatz gefunden zu haben, denn man findet Abdrücke der schon sehr abgenutzten Platte auf alten, guten Papieren.
B. 32. Die Jungfrau mit Sternen-Krone und Scepter. 1516.
Die alten kräftigen Abdrücke haben ein sehr festes Papier, dessen Drathstriche 13¼, auch 13¾ Linien von einander entfernt sind.
B. 33. Die Jungfrau mit kurzem Haar. 1514.
Das Blatt gehört nicht zu den eigentlich seltenen, doch trifft man davon nicht häufig die recht warmen, harmonischen, dann aber sehr schönen Abdrücke auf Papier mit 14 bis 14¼ Linien Entfernung der Drathstriche.
Einige ausgezeichnete Abdrücke kommen auch auf Papier vor, welches sehr fest ist, dessen Drathstriche aber nur 13¼ Linien entfernt sind.
B. 34. Die das Kind säugende Jungfrau. 1503.
Einer der frühesten Stiche, welchen Dürer mit der Jahrszahl bezeichnete und der von Vasari an der Spitze der Dürer’schen Kupferstiche gerühmt wird.
Der Stich ist in den seltenen ersten Abdrücken sehr kräftig und schön, auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Auch auf Papier mit der hohen Krone kommen einzelne gute, jedoch weniger warme Abdrücke vor. Die späteren Abdrücke sind meist matt und schlecht.
Das Berliner Kupferstich-Cabinet bewahrt einen Probedruck dieses Blattes, welcher noch nicht das Täfelchen mit der Jahreszahl hat.
B. 35. Die sitzende Jungfrau, welche das Kind an sich drückt. 1513.
Die Composition dieses Blättchens, von dem man sehr schöne und warme Abdrücke trifft, könnte zu der Vermuthung führen, daß unser Meister von dem schönen Gemälde Raphaels -- die Madonna del palazzo Tempi -- Kenntniß gehabt habe.
Die mir durch die Hände gegangenen Abdrücke hatten ein Papier mit 13¼ und 14 Linien Entfernung der Drathstriche, wovon das letztere, der Masse nach, das Wasserzeichen der hohen Krone vermuthen ließ.
B. 36. Die Jungfrau mit dem Kinde an der Brust. 1519.
Bartsch las die Jahreszahl irrthümlich 1512, welches schon Heller berichtigt. Dieser Stich hat nur selten so kräftige und volle Abdrücke gegeben, wie viele der früheren Grabstichel-Arbeiten Dürer’s.
Die guten alten Abdrücke haben ein sehr festes Papier mit 13¼, 13¾, auch 14 Linien Abstand der Drahtstriche, letzteres anscheinend Kronenpapier.
B. 37. Die Jungfrau von einem Engel gekrönt. 1520.
Dieses, wie das folgende Blatt, gehört zu den letzten Arbeiten Dürer’s vor der Reise nach den Niederlanden und beide werden von ihm in seinem Tagebuche »die zwei neuen Marienbildt« genannt.
Man hat von dieser Platte schöne, scharfe, jedoch selten sehr warme Abdrücke, ich habe solche nur auf Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, angetroffen, und wäre es möglich, daß Dürer dieses von ihm nach der Rückkehr aus den Niederlanden zu seinen Kupferstichen fast ausschließlich verwandte Papier in dem Jahre 1520 zuerst in Gebrauch genommen hätte.
B. 38. Die Jungfrau mit dem gewickelten Kinde. 1520.
Weit vollere harmonische Abdrücke, wie von dem vorhergehenden, findet man von diesem Stich, sie sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder auch des Kruges.
Geringere Abdrücke sind von dieser Platte weniger selten als von B. 37.
B. 39. Die Jungfrau von zwei Engeln gekrönt. 1518.
Die Abdrücke dieses Blattes sind in der Regel gut, man trifft aber einzelne von besonderer Schönheit, kräftig und silbertönig. Das Papier habe ich mit einer Entfernung der Drathstriche von 12¾ und 13½ Linien, einmal auch mit dem Wasserzeichen der durch eine Mauer verbundenen Thürme gefunden.
B. 40. Die Jungfrau am Fusse einer Mauer sitzend. 1514.
Die Behandlung dieser ernsten, schönen Composition erinnert sehr an den berühmten Stich der Melancholie von demselben Jahre. Die vorzüglichen Abdrücke sind, wie bei dieser Platte, mehr durch Zartheit und Harmonie, als durch große Kraft und Schwärze der Farbe ausgezeichnet. Ich habe bei diesen ein sehr festes Papier getroffen, dessen schwer kenntliche Drathstriche 13¼ Linien von einander entfernt waren.
B. 41. Die Jungfrau mit der Birne. 1511.
Der hübsche Stich ist nicht selten, in schönen, wohlerhaltenen Exemplaren jedoch sehr gesucht. In England traf ich, zur Zeit der Kunst-Ausstellung in Manchester, auffallend oft schöne Abdrücke davon. Die vorzüglichsten haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, auch zuweilen dasjenige des Ankers im Kreise, Nr. 7, sonst ein festes Papier von feiner Masse und 14¼ bis 14¾ Abstand der Drathstriche.
B. 42. Die Jungfrau mit dem Affen.
Heller setzt diesen Kupferstich unter die Arbeiten Dürer’s aus der Periode von 1500 bis 1506, und es ist nicht zu läugnen: daß derselbe in Behandlung der Kräuter im Vorgrunde an ältere Stiche unsers Meisters, namentlich an die Jungfrau mit der Heuschrecke, B. 44, erinnert; auch spricht dafür die davon durch Marc Anton gestochene, noch mit dem Monogramm Dürer’s bezeichnete Copie.
Auffallend ist indeß dabei: daß das hohe Haus in der Landschaft unzweifelhaft einer colorirten Studie nach der Natur entnommen ist, welche jetzt im British Museum in dem Privat-Zimmer des Directors des Printroom hängt, und von Dürer’s Hand bezeichnet »weyß Hauß« ganz mit den colorirten Naturstudien übereinstimmt, welche noch von unsers Meisters Reise nach Italien erhalten sind.
Das Blatt ist in den nicht häufigen, zuweilen aber besonders schönen Abdrücken, welche am frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopf, sonst auch mit der hohen Krone, vorkommen, ein besonderer Liebling der Sammler.
Bei der ungewöhnlichen Höhe der Platte, von 7 Zoll, findet man mehrfach Abdrücke, welche unten um fast zwei Linien, bis nahe an den Fuß des Monogramms verschnitten sind, wodurch der Büschel des Affenschwanzes verloren gegangen ist, wahrscheinlich um dieses Blatt in den alten Klebe-Büchern mit andern von gleicher Grösse, wie B. 2 und 26 auszugleichen. -- Die mehrfach geäußerte Ansicht: daß die Kupferplatte späterhin um so viel verschnitten sei, beruht indeß auf einem Irrthume, denn es kommen matte Abdrücke von der sehr abgenutzten Platte vor, welche die normale Größe haben.
Dieser Stich gehört übrigens zu denen, deren Abdrücke unserm Meister nicht immer gelungen sind, es giebt davon alte sehr kräftige Drucke, welche, ohne sichtlich bei dem Durchlaufen durch die Presse verschoben zu sein, doch Klarheit und Reinheit vermissen lassen.
B. 43. Die heilige Familie.
Auch dieses geritzte Blatt setzt Heller in die Periode vor der Italienischen Reise, mir scheint indeß diese vielleicht nur auf das Fehlen des Monogramms und der Jahrszahl begründete Angabe höchst unwahrscheinlich, da alle übrigen Arbeiten Dürer’s mit der kalten Nadel in die Jahre 1510 und 1512 fallen.
Vollkommen schöne Abdrücke dieses, dann sehr malerischen Blattes, gehören zu den allergrößten Seltenheiten. Die ersten erkennt man an der vollkommenen Reinheit der Platte von allen Kritzeln, und der großen Deutlichkeit der nur leicht angeritzten Landschaft mit Gebäuden auf einem Berge im Hintergrunde, es giebt indeß von diesem ersten Etat einzelne Abdrücke, welche, vielleicht in Folge zu starken Abputzens der Platte vor dem Druck, nicht die malerische Wirkung einzelner schöner Abdrücke des zweiten Etats haben. -- Diese zweiten Drücke erkennt man an einem Nadelkritzel in der Platte, welcher in schräger Richtung auf dem Gesichte der Jungfrau den untern Theil der Nase und den linken Mundwinkel berührt. -- Die früheren Abdrücke dieser Art, bei denen die, später immer undeutlicher werdende, Landschaft im Hintergrunde noch vollkommen klar ist, sind an Grabstichel-Versuchen kenntlich, welche sich oben links in der Platte befinden.
Die späteren Abdrücke haben mehrere Kritzeln, welche in verschiedenen Richtungen rechts unten das Holzwerk der Rasenbank, so wie das Gesicht und den Bart Josephs, auch die Stirn des Christus-Kindes durchschneiden. Solche Abdrücke kommen schon auf Papier mit dem Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 14, und 11 Linien Abstand der Drathlinien vor. -- Die spätesten Abdrücke sind grau und rußig, auch nicht selten.
Die schönsten mir bekannten Exemplare dieses vortrefflichen Blattes sind im Städel’schen Institute in Frankfurt a.M., dem Königl. Kupferstich-Cabinet in Berlin, der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und in dem Print-room des British Museum.
B. 44. Die heilige Familie mit dem Schmetterlinge, richtiger mit der Heuschrecke (Libelle).
Dieses bereits in der Einleitung erwähnte Blatt bleibt in Beziehung auf den Erfinder der Composition immer ein zweifelhaftes, doch muß der Stich schon von Marc Anton für eine Arbeit Dürer’s erkannt sein, da er denselben mit dem Dürer’schen Monogramm copirt hat. Jedenfalls ist es eine der frühesten Grabstichel-Arbeiten unsere Meisters.
Auffallend bei dieser Platte ist der sehr sichtbare Ausrutsch des Grabstichels über dem Kopf der Maria, welcher sich auf den alten, wie auf den neueren Abdrücken findet. Bei der bekannten großen Sorgfalt Dürer’s möchte man aus der nicht geschehenen Entfernung dieses Mißstandes schließen: daß die Platte nicht in seinen Händen geblieben wäre, auch erwähnt er derselben in seinem Tagebuche nirgends, hat also Abdrücke davon auf seine Niederländische Reise wohl nicht mitgenommen.
Es kommen übrigens einzelne frühe schöne Abdrücke auf Papieren mit den Wasserzeichen des Ochsenkopfes und des gothischen ~P~, Nr. 3, vor; überhaupt ist das Blatt nicht selten. Die späteren Abdrücke erkennt man an dem schwächeren Schatten auf der rechten Backe der Jungfrau, welches der Verfasser des Cataloges der Sammlung von H. Weber -- Leipzig 1855 -- irrthümlich als Merkmal eines premier étât bezeichnet hat. Solche Abdrücke haben fast immer Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 13, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien, welches bei Dürer’schen Holzschnittblättern vom Jahre 1527 vorkommt, bei Abdrücken von Kupferstichen, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen sind, von mir aber nie angetroffen ist.
Bei einzelnen Abdrücken findet man auch Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels, die neuesten haben zahlreiche Kritzeln in der Kupferplatte.
B. 45. Die Jungfrau am Thor,
ist eine anerkannt Italienische Grabstichel-Arbeit nach Dürer, welches man auch schon an dem volleren, etwas weicheren, von den Deutschen Sorten abweichenden Papiere derselben erkennen kann.
Passavant hält Marc Anton für den Meister derselben.
B. 46 bis 50. Die fünf Apostel.
Diese schönen Blätter sind besonders häufig abgezogen und finden sich fast in allen Sammlungen Dürer’scher Drucke, oft in mehreren Exemplaren. Höchst sparsam sind aber recht volle, kräftige Abdrücke, noch seltner alle fünf Blätter von ganz gleicher Güte, welches durch die Verschiedenheit der Jahre, in welchen Dürer sie arbeitete, erklärlich wird.
Die Folge in der Sammlung des Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M. ist in dieser Beziehung wohl eine der schönsten.
St. Thomas und St. Paulus, welche im Jahre 1514 gestochen wurden, findet man bei sehr kräftigen Drucken auf einem sehr festen, der Masse und der Entfernung der Drathstriche nach, auf das Wasserzeichen der hohen Krone deutendem Papiere. Bei den im Jahre 1523 gestochenen St. Bartholomaeus und St. Simon, so wie bei dem St. Philipp vom Jahre 1526 ist das Papier feiner, mit Entfernung der Drathstriche von 12¾ bis 13¼ Linien, dem vorherrschenden Papiere dieser Periode mit dem Wasserzeichen des Kruges entsprechend. Das gleiche Papier kömmt auch häufig bei allen fünf Blättern vor.
Ein Wasserzeichen in einem der Abdrücke zu entdecken hat mir, ungeachtet der außerordentlich großen Zahl deshalb geprüfter Blätter, bisher nicht gelingen wollen.
B. 51 und 52. Der heilige Christoph mit umgewandten Kopf, und derselbe Heilige mit dem Christus-Kinde, beide vom Jahre 1521.
Mit Recht beliebt und viel verbreitet sind diese ersten Stiche unsere Meisters nach seiner Rückkehr von der Niederländischen Reise. Man erkennt darin, daß diese, und namentlich die nähere Bekanntschaft mit den Arbeiten des Lucas und Leyden, nicht ohne Einfluß auf Dürer’s Handhabung des Grabstichels geblieben ist.
Vasari nennt diese Blättchen sehr schön (bellissimi), und lobt vorzüglich die Grabstichelführung in allen Theilen, besonders den gelockten Haaren.
Wie bei allen Stichen, welche der letzten Periode unsers Meisters angehören, zeichnen sich die alten schönen Abdrücke mehr durch Weichheit und Harmonie, als durch tiefe Kraft der Farbe aus. Beide Blätter sind nicht selten und bei den guten Abdrücken findet man das feine Papier mit 12¾ bis 13¼ Linien Abstand der Drathstriche, welches auf das Wasserzeichen des Kruges schließen läßt.
B. 53. St. Georg zu Fuss.
Von diesem, anscheinend im Jahre 1508, gleichzeitig mit dem folgenden, gearbeiteten Blatte, kommen einzelne ganz besonders kräftige und schöne Abdrücke vor, deren Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes hat; doch auch auf Papier mit der hohen Krone findet man noch recht frische Drucke, und selbst bei den bläßeren trifft man noch sehr gutes Papier mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche.
B. 54. St. Georg zu Pferde. 1508.
Bei den nicht häufigen schönen Abdrücken dieses Stiches ist mir nur Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vorgekommen.
B. 55. St. Sebastian an einen Baum gebunden.
Recht fette malerische Abdrücke findet man von diesem sehr hell gehaltenen Blatte aus Dürer’s erster Periode nicht. Selbst der zu den Geschenken unsers Meisters an König Christian II von Dänemark[11] gehörende Abdruck im Königl. Kupferstich-Cabinet zu Copenhagen ist nicht so warm als die übrigen.
Die besseren Abdrücke, deren Papiere ich zu prüfen im Stande gewesen bin, hatten ein weißes, festes Papier mit Entfernung der Drathstriche zu 13¼ auch 14 Linien.
B. 56. St. Sebastian an eine Säule gebunden.
Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde, gehört zu den sehr seltenen aber keinesweges schönen Curiositäten. Bei den besten Abdrücken, auch dem zu den Dürer’schen Geschenken gehörigen in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits geändert. Diese Platte hat übrigens weit schönere Abdrücke geliefert, als B. 55. Bei den besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und 14 Linien gefunden, einmal auch das spätere Wasserzeichen des Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.
B. 57. Der heilige Eustachius.
Dieser größte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Dürer’s trägt keine Jahrszahl. So geschätzt und gesucht derselbe ist, so gehört er doch nur in den _alten_, _frischen_ und _warmen_ Abdrücken zu den Seltenheiten. Diese sind fast ausschließlich auf Papier mit der hohen Krone, doch giebt es einzelne wenige Exemplare von schöner Schwärze, auf Papier mit dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schönen Abdruck mit dem Wasserzeichen des Kruges angetroffen.
Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an König Christian II von Dänemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.
Die späteren Abdrücke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu reichen scheinen, der die Platte vergolden ließ[12], findet man auf den verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13, der Thürme, Nr. 14, des Wappens von Nürnberg, Nr. 12, des Reichsadlers, Nr. 17, letzteres Papier kömmt am häufigsten vor und sind diese neueren Abdrücke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und der malerischen Wirkung, welche die älteren Abdrücke so vortheilhaft auszeichnen.
Die ungewöhnliche Größe dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schönsten Abzügen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze zeigen. -- Einige alte Abdrücke von schöner Kraft kommen vor, bei denen die Druckerschwärze ungewöhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schöpfform, welche 15½ Linien von einander entfernt sind.
Bei der schönen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge hat Dürer eine flüchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt, welche, von ihm bezeichnet: »ein Welsch Schloß« und ohne Zweifel von seiner Italienischen Reise herrührend, bei Heller, pag. 127 unter Nr. 37, angeführt wird, und sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers befindet.
B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.
Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schönen Landschaft. Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit mit Marburg. Es ist nicht häufig, namentlich in schönen alten Abdrücken, deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13¾ Linien zwischen den Drathstrichen hat.
B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.
In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig die gelungenste von Dürer’s Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf uns gekommenen Abdrücke von voller Kraft und Klarheit haben ein Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schönsten Radirungen nicht übertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.
Von diesem köstlichen Blatte sind zwei Probedrücke erhalten, ehe Dürer das Monogramm nachgefügt hatte. Der eine davon ist in Wien in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British Museum, früher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit dem Wasserzeichen der hohen Krone und bestätigt meine in der Einleitung ausgesprochene Ansicht, daß Dürer um 1512 zu den größeren Blättern nicht mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. -- Auch bei den besten der übrigen Abdrücke findet man Papier mit der hohen Krone. Die vollkommen schönen Abdrücke lassen sich zählen und sind doch nicht frei von fleckenartigen unklaren Stellen. -- Der schönste von allen ist wohl der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathänden befindlichen, ist derjenige am berühmtesten, welcher die reiche und ausgewählte Dürer-Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. ziert. --
Spätere Abdrücke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier Thürme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung des Herrn Dr. Nagler[13]: daß in den späteren Abdrücken das Crucifix und die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es giebt ganz späte Abdrücke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber vollkommen deutlich ist.
B. 60. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1514.
Dieser Stich, von Dürer in seinem Tagebuche »Hieronymus im Gehaiß«, »der sitzende Hieronymus«, auch »St. Hieronymus in Kupffer« benannt, ist eines der verbreitetsten der größeren Blätter unsere Meisters und die sehr sorgfältig gearbeitete Platte hat eine große Menge Abdrücke gegeben. Die älteren davon sind sehr malerisch, zuweilen etwas voll in Farbe, wodurch indeß das schöne Helldunkel dieses Stiches gehoben wird. Die weit häufigeren späteren Abdrücke findet man oft noch recht klar und rein, jedoch die Wirkung der früheren keinesweges erreichend.
Der Masse der Papiers und der Entfernung seiner Drathstriche nach, sind die alten Drucke auf solchem mit dem Wasserzeichen der hohen Krone abgezogen; das Zeichen selbst habe ich indeß bis jetzt in keinem Abdruck auffinden können. Das Blatt ist aber geringer in Höhe, wie manche der anderen, und mag daher wohl das Wasserzeichen mit dem Papierrande weggefallen sein. Nur ein einziger, aber augenscheinlich späterer Abdruck ist mir mit dem Wasserzeichen des Kruges vorgekommen.
B. 61. Der büssende heilige Hieronymus.
Heller nimmt an, daß Dürer dieses schöne Blatt schon vor 1500 gestochen habe, doch möchte ich -- obgleich dasselbe nicht ganz frei von der früheren conventionellen Behandlung des Erdbodens im Vorgrunde ist -- wegen der Durchbildung der Landschaft der Meinung sein, daß es den ersten Jahren nach der Italienischen Reise angehören wird.
Die Platte ist übrigens in früheren Zeiten wenig abgedruckt. Exemplare auf Ochsenkopf- oder Kronenpapier habe ich nie angetroffen, nur ein Paar mit dem alten Papierzeichen des gothischen ~P~. Dürer hat keine Abdrücke davon, zu Geschenken oder zum Verkauf, auf die Niederländische Reise mitgenommen, wenigstens geschieht dieses großen Blattes nirgends im Tagebuche Erwähnung, dagegen findet man die prachtvollsten Abdrücke auf den späteren Papieren mit den durch eine Mauer verbundenen Thürmen, Nr. 8, oder dem Reichsapfel mit Stern, Nr. 5. Selbst Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Augsburger Wappens, Nr. 18, sind noch recht schön.
Den älteren Sammlern scheint übrigens dieses Blatt für ihre Klebebücher zu hoch gewesen zu sein, wenigstens findet man mehrfach, auch in öffentlichen Sammlungen, Abdrücke, wo das weiße Papier oben bis an die Spitze der Tannenbäume 4 Linien breit abgeschnitten ist.
B. 62. Der kleine runde heilige Hieronymus.
Eines der seltensten Blättchen Dürers, mit vollem Recht zu den Introuvables gezählt. Bekannt sind mir davon nur 5 Abdrücke, in der Pariser Sammlung, in dem Museo zu Amsterdam, in den Sammlungen des Erzherzogs Albrecht in Wien, der Königin Marie in Dresden und der Kunsthalle zu Bremen, letzteres aus dem Dr. Klugkistschen Vermächtniß, früher in der Sammlung des Herzogs von Buckingham.
Die Abdrücke sind besonders schwarz, der in Bremen ist indeß etwas klarer. Die Behandlung des Grabstichels ist übrigens bei weitem nicht so einfach, rein und schön, als bei dem Degenknopf, dieselbe hat im Gegentheil etwas Rauhes und gleicht fast einem Holzschnitte. Auffallend ist auch die wunderbare Lage des Löwenschweifes.
Das Blättchen hat kein Monogramm und man kann sich, bei genauer Betrachtung des Zweifels nicht erwehren: ob dasselbe wirklich von Dürer gestochen sei? Der kleine heilige Hieronymus in Holzschnitt, B. 115, ist ohne Frage weit schöner.
Da diese wenigen erwähnten Abdrücke unterklebt oder fest aufgelegt sind, so habe ich über die Papiere derselben mir keine Aufklärung verschaffen können.
B. 63. Die heilige Genovefa.
Die Abdrücke von dieser Platte findet man sehr kräftig und schön, jedoch nur selten vollkommen klar und rein. Selbst die frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopfe sind zuweilen zu trocken oder zu fett in Farbe.
Andere Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen der großen Thürme unten mit einer Spitze, Nr. 14.
B. 64. Die heilige Veronica. 1510.
Dieses sehr schöne aber introuvable Blättchen habe ich nur zweimal in Händen gehabt, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und derjenigen der Königin Marie in Dresden, früher bei Verstolck, beide Exemplare fest aufgelegt.
Der Stich, mit der trockenen Nadel (geritzt) ist sehr leicht behandelt, die Hände sind wenig ausgebildet, aber außerordentlich schön ist das Antlitz des Christus. Quer über demselben bemerkt man auf den beiden bezeichneten Abdrücken zwei feine sich kreuzende Linien, Kritzeln in der Platte oder Ausgleitungen der Nadel.
Abweichend von den übrigen Kupferstichen Dürer’s ist auf diesem Blättchen die Zeichnung des Monogrammes und namentlich die Form des D, welcher fast viereckt erscheint, auch bei der Jahreszahl sind die ersten und die letzten zwei Zahlen ungewöhnlich weit von einander entfernt und befindet sich ein Punkt dazwischen, die 0 steht dagegen auffallend nahe an der 1, wie solches sonst bei unserm Meister nicht gebräuchlich ist. Auch die unter dem Schweißtuch hervortretenden Gewandfalten der Heiligen weichen von Dürer’s gewöhnlicher Weise ab, demungeachtet erscheint das Blättchen, welches in mancher Beziehung an eine ähnliche Darstellung des Martin Schön erinnert, entschieden als eine Arbeit von ihm und mag das Abweichende gegen andere Stiche dadurch sich erklären, daß dieses der erste Versuch mit der kalten Nadel war.
Durch die recht gute, wenn auch nicht in allen Theilen genaue Copie von Petrack ist dieser Stich, so wie die übrigen drei introuvablen Blätter Dürer’s, allgemeiner bekannt geworden.
B. 65. Das Urtheil des Paris.
Von diesem kleinen runden Blättchen habe ich nur einen Abdruck, und zwar in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien gesehen. -- Er ist fest aufgelegt und in Beziehung auf das Papier daher nichts wahrzunehmen. Der Stich ist sehr leicht behandelt, macht aber doch den Eindruck, daß er von Dürer selbst herrührt, der Abdruck selbst ist nicht eigentlich frisch zu nennen.
Nach einer mir gewordenen Mittheilung des Herrn William Smith in London, ist neuerlichst ein Exemplar dieses Blättchens in das British Museum gekommen, es hatte sich in einer alten Englischen Sammlung befunden, und war vor etwa 40 Jahren dem früheren Besitzer von dem Vater des W. Smith für einen Shilling (10 Sgr.) verkauft.
B. 66. Die drei Genien.
Dieser Stich ist nicht häufig, in schönen Abdrücken aber wahrhaft reizend. Der prachtvollste Abdruck davon, aus der Sammlung des Herrn R. Fisher in London, war in der »Art treasures Exhibition« in Manchester ausgestellt.
Die alten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, schwächere auf einem sehr festen, stark gerippten Papier mit 13½ Linien Abstand der Drathstriche.
B. 67. Die Hexe.
Bei den vollkommen schönen Abdrücken, welche jedoch nicht oft vorkommen, hat das Papier den Ochsenkopf als Wasserzeichen, bei guten, aber weniger kräftigen findet man das feste anscheinend Kronen-Papier mit 13¾ Linien Entfernung zwischen den Drathstrichen.
B. 68. Apollo und Diana.
Es giebt außerordentlich schöne Abdrücke dieses Blattes auf Ochsenkopfpapier; merkwürdig ist die auch in den kräftigsten derselben sich findende kleine weiße Fehlstelle in den Schattenlagen der Backe des Apollo, dicht über der Schulter.
Nach den genauen Beziehungen dieses Stiches zu dem folgenden, wird er wohl nicht vor dem Jahre 1505 gearbeitet sein.
B. 69. Die Familie des Satyrs. 1505.
Dieses, in geringen Drucken ziemlich häufige Blatt ist in vollkommen schönen, außerordentlich selten, aber höchst reizend. Diese haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Ein schwarzer Punkt auf der linken Lende der Frau findet sich schon auf den frühesten Abdrücken, und muß daher von einer kleinen Fehlstelle in der Platte herrühren.
B. 70. Das Studium von fünf Figuren.
In klaren, ganz rostfreien Abdrücken ist diese Radirung, welche weder Monogramm noch Jahreszahl hat, nicht häufig. Sie kommen auf Papier mit 13 Linien Entfernung der Drathstriche und einem ungewöhnlichen Wasserzeichen vor, welches sich nicht wohl erkennen läßt. Sonst trifft man auch Papier mit dem Wasserzeichen der Thürme oder des gothischen ~P~.
B. 71. Die Entführung der Amymone.
Dürer nennt dieses Blatt in seinem Tagebuche »ein Mehrwunder«, Vasari »una ninfa portata via da un mostro marino«, und Heller setzt den Stich in die Zeit vor 1500.
Ich glaube dagegen, daß solcher einer späteren Zeit angehört, mir scheint die ganze Behandlung dafür zu sprechen, auch habe ich nur einen Abzug auf Ochsenkopf-Papier, sehr wenige mit dem gothischen ~P~ gefunden. Die schönsten der alten Abzüge haben Papier mit der hohen Krone. Die Platte hat sich länger erhalten, denn es kommen spätere Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Kruges, auch des Reichsadlers vor.
B. 72. Die Entführung. 1516.
In den ersten reinen Abdrücken ist diese Radirung nicht häufig, man findet einige davon mit dem Wasserzeichen des Kruges, die späteren, schwärzeren, aber rußigen Drucke haben im Papier das Wappen der Stadt Schrobenhausen, Nr. 15.
B. 73. Die Wirkung der Eifersucht.
Einer der bedeutendsten Kupferstiche unsers Meisters, von ihm in seinem Tagebuche »der Herculum« genannt, und in _sehr schönen_ Abdrücken selten und kostbar, welcher indeß nicht, wie Heller glaubt, schon vor der Italienischen Reise gearbeitet sein dürfte. Die mir durch die Hände gegangenen alten Drucke, auch der außerordentlich schöne, von Dürer dem Könige Christian II verehrte, jetzt in Copenhagen, haben sämmtlich das Wasserzeichen der hohen Krone, bei schwächeren findet man den Krug im Papier.
In der Composition dieses Blattes hat Dürer übrigens manches der schönen alten, von mir bereits in der Einleitung erwähnten Zeichnung entlehnt, durch welche er das Meisterwerden erlangte.
Die Bedeutung dieses Gegenstandes ist sehr verschieden aufgefaßt, daher der Stich unter mancherlei Benennungen vorkommt; Vasari[14], nachdem er dieses Blatt als die äußerste Vollendung der Kupferstecher-Kunst bezeichnet hat, beschreibt es als Venus, welche eine Nymphe schlägt, die -- um vertheidigt zu werden -- sich einem Satyr in den Schoß gesetzt hat.
Er fügt hinzu: wie Dürer in diesem Blatte habe zeigen wollen, daß er das Nackte darzustellen wisse, und meint: daß er dieses vielleicht deshalb nicht habe besser machen können, weil er -- wenn er Nacktes darzustellen gehabt habe -- in Ermangelung anderer Gelegenheit, einige seiner Schüler nachgebildet habe, welche, wie meist die Deutschen, keine schönen nackten Körper gehabt hätten, obgleich man in Kleidern viele schöne Männer aus jenem Lande sähe.
Von diesem Blatte findet sich ein sehr merkwürdiger unvollendeter Probedruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien; auf demselben ist der Satyr fast nur angeritzt, der Kopf der Nymphe und ihr Arm noch nicht ausgeführt, und der untere Theil der Landschaft mit dem Amor nur angelegt.
B. 74. Die Melancholie.
Dieses sehr beliebte, von Dürer mit ganz besonderer Sorgfalt behandelte Blatt, von welchem Vasari sagt: daß es alle die Gegenstände (gli istromenti) enthalte, welche jeden, der sie gebrauche, zur Melancholie brächten, zeichnet sich durch eine eigenthümliche Zartheit aus.
Die alten Abdrücke sind weniger kräftig und voll als diejenigen mancher früheren Stiche, haben dagegen durch eine feine, warme und harmonische Wirkung einen eigenen Reiz. Die späteren Drücke entbehren desselben, sind indeß oft noch klar und rein.
Das Papier der schönen Drücke ist dem des heiligen Hieronymus von demselben Jahre, B. 60, gleich; bei geringeren Drücken trifft man ein stark geripptes Papier mit 12¾ Linien Abstand der Drathstriche, bei den neueren das Wasserzeichen des Wappens von Schrobenhausen.
B. 75. Die vier nackten Frauen.
Die alten Abdrücke sind zum Theil sehr schwarz, und kommen auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes und dem der verbundenen Thürme mit 13 Linien Abstand der Drathstriche vor.
Die anfangs etwas rauhen Schattenlagen im Fleisch haben sich indeß bald abgenutzt, denn man findet schon auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsapfels mit Kreuz, Nr. 6, noch gute, aber weit weniger kräftige Abdrücke.
B. 76. Der Traum.
Nach Vasari’s Beschreibung: einer, der auf einem Ofen schläft, mit Venus daneben, welche ihn im Traume in Versuchung führt, während Amor, auf zwei Stelzen steigend, sich vergnügt, und der Teufel mit einem Blasebalg jenem in’s Ohr bläst.
So wenig selten dies Blatt ist, so findet man doch die vollkommen schönen Abdrücke nur höchst sparsam. -- Sie sind auf Papier mit den Wasserzeichen des Ochsenkopfes, des gothischen ~P~ oder der hohen Krone, die späteren noch guten Abdrücke haben das Wasserzeichen des Kruges. Die Platte hat sich sehr lange erhalten, denn es giebt neuere Abdrücke mit breitem Papierrande auf Papieren des 17. Jahrhunderts, welche indeß matt und unbedeutend sind.
B. 77. Die Nemesis,
gewöhnlich, die große Fortuna genannt.
Daß dieses große Blatt dasjenige sei, welches Dürer in seinem Tagebuche wiederholt »eine Nemesin« nennt, glaube ich in dem Aufsatze des Naumann’schen Archives für die zeichnenden Künste, 2. Jahrgang, 1. Heft, genügend nachgewiesen zu haben. Eine angenehme Bestätigung dieser Ansicht ist mir seitdem durch eine Veröffentlichung des gelehrten Vorstandes des print-room im British Museum, M^{r.} W.H. Carpenter, im Athenäum geworden, in welcher derselbe die gleiche Meinung, fast mit denselben von mir geltend gemachten Gründen belegt, ausspricht.
Die alten kräftigen Drucke dieses schönen Stiches werden sehr gesucht. Die mir vorgekommenen waren sämmtlich auf Papier mit der hohen Krone, nur einzelne, nicht einmal besonders schöne Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier.
Heller giebt, 2. Band, pag. 468, als Kennzeichen der alten Drucke die kleinen Punkte an, welche links über den Wolken, in der Mitte des Blattes, noch andere Wolken andeuten sollen. Dieses ist indeß trügerisch, denn auch auf späteren schwächeren Drucken sind diese Punkte noch sichtbar. Ein sicheres Zeichen der frühesten Abdrücke ist dagegen der mehr oder weniger starke Grat eines Striches, welcher unten in der Landschaft in der Mitte der Brücke, als Stütze derselben, in das Wasser geht, und bei den späteren Abdrücken kürzer wird, zuletzt nur als ein einfacher Grabstichel-Strich erscheint. Bei dem wundervollen Abdruck in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien haben alle drei Stützen unter der Brücke starken Grat.
B. 78. Die kleine Fortuna.
Die schönen Abdrücke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Das Blatt ist nicht selten, häufig sind die Abdrücke aber matt und unbedeutend, auch oft im Papier verschnitten.
B. 79. Die Gerechtigkeit,
von Heller und Nagler irrthümlich die Nemesis genannt.
Bei sehr schönen Abdrücken dieses, der Behandlung des Vordergrundes nach, unstreitig der zweiten Periode Dürer’s, nach der Italienischen Reise, angehörenden Blattes, findet man sowohl Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, wie mit dem der hohen Krone, doch sind solche, dann recht malerische Abdrücke selten. Der zu den Dürer’schen Geschenken gehörende Abdruck in Copenhagen hat den Ochsenkopf im Papier.
B. 80. Der kleine Courier.
Dieser Stich gehört zu den nicht häufigen; die schönen Abdrücke haben Ochsenkopf-Papier, auch kommen welche mit dem Lilienwappen und Krone, Nr. 11, bei 11 Linien Entfernung der Drathstriche vor.
Bei geringeren Drucken findet man festes Papier mit 13¼ Linien Abstand der Drathstriche.
B. 81. Der grosse Courier.
Dieses, bereits in der Einleitung besprochene Blatt ohne Monogramm und Jahrszahl gehört bekanntlich zu den allergrößten Seltenheiten und fehlt sogar der reichen Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien.
Es sind nur zwei Abdrücke davon bekannt: der eine im Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden, der andere in der K.K. Bibliothek zu Wien. Dieser letztere ist nicht rein im Druck und namentlich die hintern Schenkel des Pferdes sind unklar. Der Abdruck in Dresden ist auf sehr festem Papier, welches nur 11 Linien Abstand der Drathstriche und ein nicht gebräuchliches, dem aus alten Bücherdrucken bekannten Cardinals-Hut einigermaßen ähnelndes Wasserzeichen hat. Die Platte hat unten stark abgerundete Ecken, welches bei Dürer etwas ganz ungewohntes ist, und der Stich erscheint im Vergleich mit den übrigen Arbeiten unsers Meisters als auffallend roh behandelt.
B. 82. Die Dame zu Pferde.
Ein nicht häufiges Blatt, von dem man indeß sehr schöne Abdrücke, sowohl auf Ochsenkopf-, wie auf Kronen-Papier findet; der mir zu Gesicht gekommene schönste, zu Dürer’s Geschenken in Copenhagen gehörig, hat kein Wasserzeichen.
B. 83. Der Bauer und seine Frau.
Die schönen Abdrücke sind auf denselben Papieren, wie das vorstehende Blatt.
B. 84. Die Wirthin und der Koch.
Heller setzt dieses Blättchen in die Zeit vor 1506, vergleicht man es aber mit anderen Stichen dieser Periode, namentlich B. 85 und 86, so wird man den wesentlichen Unterschied in der Behandlung, besonders auch des Vorgrundes nicht verkennen. Ich halte dasselbe daher entschieden für eine spätere Arbeit.
Neben vielen matten und abgenutzten Abdrücken findet man diesen Stich zuweilen auch sehr kräftig und schön, das Papier hat dann das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, selten das des gothischen ~P~.
B. 85. Der Orientale und seine Frau.
Das Blatt ist in schönen Abdrücken selten, dann aber recht kräftig. Bei solchen trifft man das Papier mit dem Ochsenkopf.
B. 86. Die drei Bauern.
In den alten warmen Abdrücken auf Ochsenkopf-Papier ist dieses Blättchen von recht malerischer Wirkung.
Die Kupferplatte davon ist noch vorhanden und kam im Jahre 1856 in Frankfurt a.M. zum Vorschein, wurde aber, ehe die dortigen Dürer-Sammler Kenntniß davon erhielten, nach Rußland verkauft.
B. 87. Der Fahnen-Träger.
Diesen lieblichen Kupferstich, welcher allerdings in dem Vorgrunde noch Spuren der älteren conventionellen Darstellungsweise hat, halte ich -- abweichend von Heller -- für eine Arbeit nach der italienischen Reise, besonders wegen der Behandlung des Wassers und der sorgfältigen Ausführung der Federn.
Recht schöne Abdrücke, bei denen ich nur Papier mit einem Stückchen des Ochsenkopfes gefunden habe, sind von hervorstechender Wirkung.
B. 88. Die Versammlung der Kriegsleute.
Ein überall nicht häufiges, in vollkommen schönen Abdrücken aber ausserordentlich seltnes Blatt, welches zu den ältesten Stichen Dürer’s gehört. Man erkennt dieses vorzüglich an der Form des Monogramms und an der eigenthümlichen Behandlungsweise des Gebüsches in der Landschaft.
Die in neuerer Zeit an der Aechtheit dieses Stiches erhobenen Zweifel halte ich für völlig unbegründet und möchte dabei nur auf die Blätter B. 82, 83, 85, selbst 86 und 87 verweisen, wo man, freilich bei verschiedenartiger Stichweise, denselben Meister erkennt. Die schönen Abdrücke haben gewöhnlich das Papier mit dem Ochsenkopf oder dem gothischen ~P~.
B. 89. Der Marktbauer. 1519.
Dieses in Dürer’s Tagebuch »der neue Bauer« benannte Blatt findet man fast nie in Abdrücken von recht voller Farbe. Es kömmt ziemlich häufig vor, doch giebt es alte frische Abdrücke wenig. Diese haben anscheinend Kronen-Papier mit 14 Linien Entfernung der Drathstriche. Bei weniger frischen, späteren Drücken trifft man das Papier mit einem Abstand von nur 13½ Linien.
B. 90. Der Bauerntanz. 1514.
In schönen Abdrücken selten. Das Papier derselben ist fest und hat 12¾ auch 13¾ Linien Entfernung der Drathstriche. Die Platte muß sich lange erhalten haben, denn man findet einzelne ganz schlechte Abdrücke davon.
B. 91. Der Dudelsack-Pfeifer. 1514.
Die alten recht kräftigen Abdrücke sind nicht häufig, ein Wasserzeichen habe ich in den Papieren derselben nicht wahrnehmen können, die Entfernung der Drathstriche betrug 14 auch 13¼ Linien.
B. 92. Der Gewaltthätige.
Dieser frühe Stich gehört zu den seltenen, und die Platte scheint in späterer Zeit nicht wieder abgedruckt zu sein, wenigstens sind mir abgenutzte und schwache Drucke davon nicht vorgekommen. Die alten Drucke sind besonders schwarz in Farbe, haben Platten-Grat und gewöhnlich Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes, doch habe ich einen auch auf Kronen-Papier angetroffen.
B. 93. Der Liebes-Antrag.
Die alten Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfs, mit Doppelstrich, Kreuz und Blume darüber, Nr. 2, sind sehr schwarz, manchmal in den tiefen Schatten unklar. Die etwas späteren Abdrücke auf Papier mit dem gothischen ~P~, dessen Drathstriche sehr weit, fast 17 Linien von einander abstehen, oder mit der hohen Krone, sind dem Auge wohlthuender.
B. 94. Der Herr und die Dame oder der Spaziergang.
Durch den sorgfältigen Nachstich Marc Antons von der Gegenseite ist dieses Blatt doppelt interessant, es gehört aber bei aller darauf verwandten Kunstfertigkeit doch ohne Zweifel zu den früheren Arbeiten Dürer’s.
Die Platte, wovon die schönen Abdrücke Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone haben, ist auch noch in späterer Zeit abgedruckt, denn man trifft Abzüge mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes.
B. 95. Das monströse Schwein.
Ich habe in Uebereinstimmung mit Heller dieses Blatt unter die Arbeiten der ersten Periode Dürer’s aufgenommen, und bin dazu veranlaßt theils durch die Anführung: daß nach einer alten geschriebenen Chronik eine solche Mißgeburt im Jahre 1496 in der Nähe von Nürnberg gefallen sei, theils auch durch die eigenthümliche Behandlung des Erdreichs im Vorgrunde, welche für die Stiche dieser ersten Periode besonders bezeichnend ist. Sonst würde die sorgfältige Ausbildung der Architektur in der Landschaft und die Form des Monogramms auf eine spätere Zeit schließen lassen. Zum Abdruck muß die Platte jedenfalls erst in späteren Jahren gekommen sein, denn ich habe bei den alten schönen Abdrücken nur einmal Ochsenkopf-Papier, sonst immer das Wasserzeichen der hohen Krone gefunden.
Die Platte ist späterhin aufgestochen.
B. 96. Das kleine Pferd. 1505.
Dieser Stich gehört zu denjenigen, welche man verhältnißmäßig häufig in schönen Abdrücken findet und es scheint, daß derselbe früher nicht besonders berücksichtigt ist. Die mir vorgekommenen alten Abdrücke waren sämmtlich auf Papier mit dem Ochsenkopf nur ein einziger hatte die hohe Krone.
B. 97. Das grosse Pferd. 1505.
Die Abdrücke dieser Platte sind bedeutend seltener als diejenigen der vorhergehenden. Die schönen Exemplare, zuweilen wahrhaft prachtvoll, haben das Wasserzeichen des Ochsenkopfes.
Dieses Blatt gehört übrigens nicht zu denjenigen, deren Dürer in seinem Tagebuche der Reise nach den Niederlanden Erwähnung thut.
B. 98. Der Ritter mit Tod und Teufel. 1513.
von Dürer »ein Reuther« genannt.
Es ist dieser einer der schönsten, vollendetsten und beliebtesten Stiche unsers Meisters, welcher von ihm auf seiner Niederländischen Reise auch zu Geschenken verwandt wurde und in ausgezeichneten Abdrücken, mit am theuersten bezahlt wird. --
Die alten Abdrücke kommen auf demselben Papier vor, welches Dürer zu dem heiligen Hieronymus, B. 60, und der Melancholie, B. 74, gebrauchte. Bei dem Abdruck der Ackermann’schen Sammlung mit breitem Papierrand, welcher indeß nicht zu den Kräftigen gehörte, hatte das Papier das Wasserzeichen des Kruges.
B. 99. Die Kanone. 1518.
Diese Radirung ist in neuen Abdrücken mit Rostflecken häufig, in vollkommen reinen alten Drucken jedoch selten. Die frischesten haben das Wasserzeichen der hohen Krone, doch giebt es noch sehr gute mit dem Wasserzeichen der Thürme, Nr. 9.
B. 100. Das Wappen mit dem Hahn.
Wegen der wundervollen Verzierung des Helms gehört dieser Stich mit zu den vortrefflichsten Arbeiten Dürer’s. Die Abdrücke sind häufig schön, zuweilen ganz ausgezeichnet. Der vorzüglichste, welcher mir zu Gesicht gekommen, in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, hat das Wasserzeichen der verbundenen Thürme, Nr. 8, die übrigen schönen Abdrücke haben das Wasserzeichen der hohen Krone, die geringeren ein festes Papier mit nicht kenntlichem Wasserzeichen, dessen Drathstriche 13¾ Linien von einander entfernt sind, auch wohl das Wasserzeichen Nr. 43. --
B. 101. Das Wappen mit dem Todtenkopf. 1503.
Einer der ältesten, mit der Jahreszahl versehenen Dürer’schen Kupferstiche, von dem ein schöner Abdruck jeder Sammlung zu besonderer Zierde gereicht. Unser Meister erwähnt dieses großen zu den »ganz Pögen« gehörenden Blattes in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise nicht, doch befindet sich in der Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen ein Abdruck von einer solchen Kraft, Schönheit und frischen Erhaltung, daß er ohne Zweifel mit zu den Geschenken gehört, welche Dürer dem Könige von Dänemark, Christian II., in Antwerpen verehrt hat. Dieser ist auf einem sehr festen Papier ohne Wasserzeichen mit ungleicher Entfernung der Drathstriche zu 11 und 13¾ Linien. Einige wenige schöne Abdrücke kenne ich auf Papier mit dem Ochsenkopf, der hohen Krone oder der Thürme mit Mauer; die Mehrzahl derselben haben das Wasserzeichen des Kruges, woraus hervorgeht, daß diese Platte noch in der letzten Lebensperiode Dürer’s oder nach seinem Tode zum Abdruck gekommen ist.
B. 102. Albrecht von Mainz, von vorn gesehen. 1519.
Dieses, gewöhnlich »der kleine Cardinal« genannte, sehr seltene Brustbild kommt im ersten Etat ohne Text auf der Rückseite, zuweilen in sehr schönen Abdrücken vor.
Sie haben Papier mit dem Wasserzeichen des kleinen Reichsapfels, Nr. 5, und eine Entfernung zwischen den Drathstrichen von 13½ Linien.
Die Abdrücke des zweiten Etats, auf deren Rückseite sich der Titel des eminent seltenen Buches
VOrtzeichnus und |zeeigung des Hochlob | wirdigen heiligthumbs | der Stifftkirchen der heiligen | Sanct Moritz und Ma- | rien Magdalenen zu Halle |
befindet[15], sind im Jahre 1520 mit geringer Sorgfalt genommen und stehen an Kraft und Klarheit gegen den ersten Etat sehr zurück.
Das dazu gebrauchte Papier hat das Wasserzeichen eines größeren Reichsapfels mit 5strahligem Stern, dessen Drathstriche indeß nur 11½ Linien Abstand haben und welches in Feinheit der Masse und Festigkeit dem Papiere des ersten Etats sehr nachsteht.
B. 103. Albrecht von Mainz im Profil. 1523.
Aus dem noch erhaltenen Briefe an den Cardinal Albrecht, Erzbischof von Mainz, vom Freitag nach Aegidii (13. September) 1523[16], wissen wir, daß Dürer die Platte des bezeichneten Portraits nebst 500 Abdrücken schon »vor längerer Zeit« dem Cardinal übersandt hatte.
Aus dem dadurch erwiesenen gleichzeitigen Abdruck einer so bedeutenden Zahl von Blättern erklärt sich die große Gleichmäßigkeit der guten Exemplare, welche man in den Sammlungen findet. Sie sind nur in so fern von einander verschieden, als die besseren Abdrücke Plattengrat und eine wärmere harmonische Färbung haben. Das Papier ist auch das gleiche, mit dem Wasserzeichen des Kruges, Nr. 10, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien.
Die sehr wenigen besonders kräftigen Abdrücke, wie diejenigen in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Dresden und dem Print-room des British Museum, scheinen ganz erste von Dürer zurückbehaltene Probedrücke zu sein, denn diejenigen, zweifellos von den erwähnten 500 Abdrücken herrührenden, welche man in einzelnen kostbaren Büchern aus dem früheren Besitz dieses kunstliebenden Kirchenfürsten als Bibliothekzeichen eingeklebt findet, wie z.B. in dem schönen Missale mit Miniaturen des Glockendom in der Stiftskirche zu Aschaffenburg, sind durchaus nicht besser wie die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke. --
Einige wenige gute Abdrücke kommen auch auf Atlas vor.[17]
Die Platte ist späterhin aufgestochen und man findet in dem Dürer-Werke der Kaiserlichen Bibliothek in Wien ein Exemplar beider Gattungen zur Vergleichung neben einander. Der retouchirte Abdruck unterscheidet sich vorzüglich dadurch, daß den Contouren des Mundes und des Kinnes die Barbe fehlt, auch sind in demselben die Nähte des Kleides besonders markirt und die Unterschrift ist merklich unreiner.
B. 104. Friedrich, Churfürst von Sachsen. 1526.
Dieses schöne Bildniß kömmt zuweilen, doch nicht sehr häufig in ganz besonders kräftigen Abdrücken vor, das Papier hat das Wasserzeichen des Kruges und 13¼ Linien Abstand der Drathstriche. -- Die Platte muß späterhin nach Holland gekommen sein, denn in der Königlichen Kupferstich-Sammlung in München befindet sich ein Abdruck auf Schellenkappen-Papier; er ist indeß matt und das Monogramm sehr verwischt.
B. 105. Philipp Melanchthon. 1526.
Die schönen Abdrücke haben dasselbe Papier als das vorstehende Blatt, doch ist dieses seltener als jenes.
B. 106. Bilibald Pirkheymer. 1524.
Keins der Dürer’schen Bildnisse ist so allgemein verbreitet, als dieses, seines gelehrten und treuesten Freundes. Die Abdrücke kommen daher in den verschiedensten Zuständen und auf den mannigfaltigsten Papieren vor. Die ältesten haben das Wasserzeichen des Kruges oder der kleinen hohen Krone Nr. 36. In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in München habe ich ausnahmsweise einen Abdruck auf Ochsenkopf-Papier gefunden, sie sind kräftig, aber nicht sehr fett in Farbe. Es giebt noch ziemlich gute Abdrücke auf einem Papiere, dessen Wasserzeichen unter einem dem Nürnberger ähnlichen Wappen, einen Mohrenkopf hat, Nr. 16, oder auf einem festen Papier mit 12 Linien Entfernung der Drathstriche.
Die neueren schwärzeren Abdrücke sind von der späterhin aufgestochenen Platte, von der man in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien ebenfalls einen Abdruck zur Vergleichung neben einem des ersten Etats sieht. Sie unterscheiden sich durch eine gewisse Rauheit in den Haaren und den Buchstaben der Unterschrift, auch ist die Halskrause stärker markirt.
B. 107. Erasmus von Rotterdam. 1526.
Dieses Bildniß ist an sich nicht eben selten, doch trifft man davon nur höchst wenige sehr schöne und kräftige Abdrücke. Die beiden vorzüglichsten, welche ich kenne, sind in den Sammlungen des British Museum und des Herrn Felix Slade in London. Die alten Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen des Kruges, oder häufiger eines gekrönten Schildes mit zwei Lilien, N. 11, ein Wasserzeichen, welches in etwas abweichender Form zwar schon bei Abdrücken der ältesten Kupferstiche vorkommt, das ich aber bis auf wenige Ausnahmen sonst nie bei anderen Kupferstichen Dürer’s, wohl aber bei Zeichnungen desselben aus den Jahren 1525, 1526 und 1528 angetroffen habe.
Spätere Abdrücke findet man auf den verschiedensten Papieren, da die Platte, in guter Beschaffenheit, sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat. Sie wird gegenwärtig in der Kupferstich-Sammlung des Schlosses Friedensstein in Gotha aufbewahrt.
Die Abdrücke mit dem Wasserzeichen, des Wappen der Stadt Schrobenhausen, sind zuweilen noch schön, diejenigen mit den Wasserzeichen der beiden Thürme, eines krausen nicht kenntlichen Wappen, und eines großen geschweiften Wappen, unter welchem sich die Buchstaben HN/M. befinden, immer noch gut zu nennen, halten indeß den Vergleich mit den älteren Abdrücken nicht aus. Ein interessantes Exemplar von diesen bewahrt die sehr reiche Portrait-Sammlung des Herrn Geheimen Rath Wolff in Bonn. Es hat ein Papier ohne Wasserzeichen, mit Entfernung der Drathstriche von 13 Linien, ist aber dadurch merkwürdig, daß der berühmte Astronom Nicolaus Kracer in lateinischer Sprache darauf bemerkt hat, wie er im Jahre 1520 gegenwärtig gewesen sei, als Dürer den Erasmus für diesen Stich, welcher bekanntlich die Billigung dieses Gelehrten nicht fand, gezeichnet habe.
B. 108. Joachim Patenier.
Dieses seltene Portrait übergehe ich als eines anerkannt nicht von Dürer herrührenden Stiches, und bemerke nur, daß sich in der kostbaren Sammlung des Herrn E. Harzen in Hamburg eine sehr schöne Federzeichnung Dürer’s vom Jahre 1520 befindet, welche auf der Rückseite mit dem Namen Patenier bezeichnet, wohl diesem Stich zur Grundlage gedient haben möchte, obgleich sie in einzelnen Theilen von demselben abweicht.
* * * * *
Schließlich habe ich noch einer unvollendeten Platte, Christus am Kreuze darstellend, zu erwähnen, welche auf Grund der Anführung Sandrarts: daß Dürer eine solche nachgelassen habe, unserm Meister zugeschrieben wird und von der einzelne Originaldrücke, mit und ohne Monogramm, sowie mehrere ältere und neuere Copien vorhanden sind. --
Obgleich dieses Blatt in einer alten, wahrscheinlich um die Mitte des 17. Jahrhunderts geschriebenen, aus der Familie Scheurl in Nürnberg herstammenden, »Specification deß gantz Dürerisch Trukhs«[18] mit aufgeführt steht, so wage ich es doch, in Beziehung auf dasselbe, den Ansichten mehrerer mit Recht angesehener Kunst-Autoritäten entgegen zu treten, namentlich der Meinung, welche Herr Dr. Nagler auf pag. 161 seiner Monogrammisten darüber ausgesprochen hat, indem ich entschieden behaupten zu dürfen glaube, daß diese Anlage eines Kupferstiches nicht von Albrecht Dürer herrühren könne.
Meine Gründe dafür sind folgende:
1) Alle Darstellungen des gekreuzigten Heilandes von A. Dürer, sowohl in Gemälden, Kupferstichen, Holzschnitten, als auf zahlreichen Zeichnungen und Entwürfen, sind in der Beziehung vollkommen übereinstimmend, daß der Körper an einem Kreuze von rohem, nur theilweise behauenem Holze, mit der ganzen Schwere an den durchbohrten Händen und ausgestreckten Armen hängt, und nur durch den einen größeren Nagel, welcher _beide übereinander gelegte Füße durchbohrt_, einigermaßen unterstützt wird. Auf der fraglichen Anlage steht aber der Körper ganz ruhig auf einer an dem Stamm eines ganz platt gezimmerten Kreuzes angebrachten Platte, beide Füße sind _nebeneinander_ von zwei Nägeln durchbohrt, die Arme, ausser den Nägeln, welche durch die Hände gehen, noch mit Stricken befestigt.
Eine solche Darstellungsweise der Kreuzigung war bei den ältesten Italienischen Malern gebräuchlich, ist aber von Dürer nie zur Anwendung gekommen.
Interessant in dieser Beziehung sind drei vortreffliche zu einander gehörende Zeichnungen Dürer’s, vom Jahre 1505 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht. Sie stellen die Kreuzigung Christi und der beiden Schacher dar. Die Arme der Schacher sind -- wie eine schimpflichere Todesart -- mit Stricken an das Kreuz gebunden, dagegen Christus nur mit Nägeln durchbohrt auf die vorher beschriebene Weise dargestellt ist.
2) Auf dem Stich ist die rechte Hand des Heilandes ausgestreckt, welche Dürer stets mit krampfhaft zusammen gedrückten Fingern darstellt.
3) Dürer giebt seinem Christus eine breite, doppelt geflochtene Dornenkrone, und die Augenhöhlen haben im Ausdruck des tiefen Schmerzes, mit den äußeren Winkeln eine Biegung nach unten. Auf der Anlage ist die Dornenkrone nur einfach geflochten und die äußeren Winkel der Augenhöhlen haben eine Richtung nach oben, wie denn der Ausdruck des Gesichts, ganz der Dürer’schen Darstellungsweise des schmerzlichen Leidens entgegen, etwas triumphirendes hat.
4) Die reiche Architektur des Hintergrundes weicht, sowohl in der hohen Thurmspitze links, als in den hohen Burgthürmen rechts, wesentlich von allen ähnlichen Darstellungen Dürer’s ab. Endlich
5) sind die Umrisse dieser Anlage weder so sicher noch so zart, wie wir sie auf den vorhandenen, unvollendeten Probedrücken der Dürer’schen Platten B. Nr. 1 und 73 bewundern. --
Die Annahme des Herrn Dr. Nagler, daß Dürer in dem aufblickenden Johannes dieses Stiches den Dr. Martin Luther habe darstellen wollen, dürfte -- wenigstens durch die als Beweis angeführte herrliche Zeichnung vom Jahre 1523 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- keine Bestätigung finden.
Die fragliche Figur des Stiches weicht wesentlich von jener Zeichnung ab, und nur das Gesicht hat eine entfernte Aehnlichkeit damit. Beide Köpfe aber, sowohl der der Zeichnung wie der der Anlage, sind sehr verschieden von dem Portrait des Dr. Martin Luther, welches Dürer auf der ihm zu Ehren im Jahre 1526 geschnittenen Medaille dargestellt hat.[19]
Mit meinen Zweifeln an Dürer’s Betheiligung bei dem fraglichen Stiche stehe ich übrigens nicht allein, sie werden unter andern auch von dem gelehrten Vorstande des Print-room im British Museum getheilt, woselbst sich zwei Abdrücke mit und ohne Monogramm befinden. Diese, wie mehre andere mir vorgekommene Abdrücke waren aufgelegt und ich konnte das Papier nicht genau untersuchen; der Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M., früher bei Verstolck, ist indeß auf Papier, welches mir nicht altdeutsch zu sein scheint, wenigstens habe ich das kleine ungewöhnliche Wasserzeichen desselben bei keinem Dürer’schen Blatte angetroffen.
Ein anderer sehr frischer Abdruck vor dem Monogramm, im Besitz des Herrn Geh. Oberfinanzrath Sotzmann in Berlin, ist aber auf entschieden Holländischem Papier, welches das Wasserzeichen des großen Wappen von Amsterdam und knapp 11 Linien Abstand der Drathstriche hat, wie solches im 17. Jahrhundert bei den Zeichnungen und Radirungen Holländischer Meister häufig vorkommt. -- Auch hierdurch dürften die gehegten Zweifel bedeutend verstärkt werden.
Fussnoten:
[1] The Typography of the fifteenth Century by Leigh Sotheby, London 1845. Principia Typographica by Leigh Sotheby, London 1858. 3. Volume.
[2] Giorgio Vasari, Vite de’ piu eccellenti Pittori Scultori e Architetti etc. Mailänder Ausgabe, Vol. 10, wo in dem Leben Marc Anton’s u.a.: ausser den wichtigsten Holzschnitten, mehr als 20 Dürer’sche Kupferstiche mit Bewunderung erwähnt und beschrieben werden.
[3] Siehe die Note des Herrn Ober-Tribunal-Procurators Abel in Stuttgart in dem Correspondenzblatt des Deutschen Geschichts- und Alterthums-Vereins vom Jahre 1856, Nr. 10, pag. 95, nach welcher die Gebrüder Frick und Hans Holbain in Ravensburg im Anfange des 14. Jahrhunderts die Erfinder des Leinen-Papiers gewesen sind.
[4] An inquiry into the origin and early history of engraving upon copper and in wood etc. etc. by William Young Ottley. London 1816. 2 vol.
[5] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Band. p. 927.
[6] Die Bekehrung des Paulus von J.G.A. Frenzel. Leipzig 1854.
[7] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Bd. pag. 300.
[8] Siehe den Aufsatz von E. Harzen in Naumanns Archiv für die zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, pag. 119 ff.
[9] Siehe denselben Aufsatz, pag. 132.
[10] Ich bin auf dieses Sachverhältniss durch den, bei dem K.K. Münz- und Antiken-Cabinet in Wien angestellten, sehr kunsteifrigen Dr. Freiherrn von Sacken aufmerksam gemacht, und verdanke es der aufopfernden Gefälligkeit des Herrn Custos Bergmann: Gelegenheit gehabt zu haben, in der Ambraser Sammlung dieses Kaiser-Schwert auf das Genaueste untersuchen zu können.
[11] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, Nürnberg 1828, p. 142, und Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, 2. Heft, p. 165.
[12] Siehe Heller. 2. Band. Pag. 443.
[13] Siehe die Monogrammisten, München 1858, pag. 165.
[14] Am angeführten Orte pag. 191.
[15] Siehe Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste. 1. Jahrgang. 3. Heft. Pag. 196.
[16] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, pag. 53.
[17] In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin und in der Sammlung des Verfassers.
[18] Ich verdanke die Mittheilung derselben der Güte des Herrn Professor Rößler in Erlangen.
[19] Siehe Wills Nürnbergische Münz-Belustigungen.
Abschnitt II.
Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s.
Einleitung.
Ich bekenne mich, ungeachtet der vielfach dagegen erhobenen Zweifel, zu der Ansicht, daß Albrecht Dürer selbst den Holzschnitt ausgeübt hat, wenngleich viele Holzschnitte mit seinem Zeichen vorhanden sind, bei denen er das Messer nicht geführt, manche, bei denen er nicht einmal die Zeichnung auf den Holzstock selbst gemacht haben wird.
Bei der großen Gewandheit, welche Dürer in allen Kunstfertigkeiten besaß, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, müßte es unbegreiflich sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte, zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, näher nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und Drucker zugleich vorkommen. --
Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], daß »Meister Sebald Rädleinmacher bei dem Sonnenbade« und »Hanns Franck in der Fröschau« ihm die Stöcke zurichteten. --
Namentlich in der früheren Zeit möchte unser Meister auch vergeblich Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit der Freiheit und Großartigkeit hätten arbeiten können, wie wir sie in der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der Offenbarung Johannis bewundern. -- Wie gering die Zahl der Formschneider in Nürnberg bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den verdienstlichen »Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs, von J. Baader, Nördlingen 1860,« hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier Formschneider als Meister und Bürger aufgenommen, sowie bei dem Magistrat beeidigt waren.
Späterhin hatte sich dieses allerdings sehr geändert, geschickte Formschneider, die nur als solche ihre Kunst übten, waren, auch in Nürnberg, nicht selten und wie erweislich die späteren großen Holzschnittwerke, welche Dürer für den Kaiser Maximilian zu arbeiten hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten sind, so ist auch in frühern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten, namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafür anführt: daß unser Meister überall nicht den Formschnitt geübt habe, beweist nur, daß die Stöcke seiner vorhin erwähnten _späteren_ Werke, namentlich nach 1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres Meisters beschäftigt hat. --
Bei den Holzschnitten findet übrigens, in Beziehung auf die Güte der Abdrücke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen, und es tritt häufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: daß diejenigen Abdrücke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger kräftig scheinenden.
Viele Holzstöcke Dürer’s haben sich lange in verhältnißmäßig gutem Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die Gefahr, durch neuere Abdrücke getäuscht zu werden, ist daher bei Holzschnittblättern weit größer als bei Kupferstichen.
Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr wesentliche Hülfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der Regel größeren Format der Blätter die Wasserzeichen weit häufiger sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen, Bleichen und Pressen so mißhandelt ist, wie man es nur zu häufig bei den Stichen findet.
* * * * *
Die Papiere, welche Dürer zu den Abdrücken seiner Holzschnitte gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie -- den Wasserzeichen nach -- theilweise wenigstens aus denselben Papiermühlen herrühren.
Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten, welche Text auf der Rückseite haben, die stärksten bei den drei großen Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der großen Passion. --
Die von unserm Meister erweislich während seines Lebens zu Holzschnitten gebrauchten Papiere haben die folgenden, möglichst chronologisch geordneten Wasserzeichen:
1) Den Ochsenkopf mit einfachem Strich und Blume,
2) Denselben mit doppeltem Strich und Blume darüber,
3) Die hohe Krone mit 5 Perlen im Stirnbande und einem Kreuz auf dem Bügel,
4) Eine Wage im Kreise,
5) Zwei verbundene Thürme mit Zinnen,
6) Einen Reichsapfel mit 5strahligem Stern,
7) Eine Urne,
8) Eine Hand mit Blume,
9) Einen Thurm mit einer Krone darüber,
10) Eine sechsblättrige Blume, mit Strich und einem Dreieck darunter,
11) Einen Anker,
12) Denselben im Kreise,
13) Den Ochsenkopf mit einem Schlangenstabe darüber,
14) Einen Dreizack,
15) Einen Krug mit Henkel,
16) Ein Oval mit Stern,
17) Einen stehenden Hund,
18) Eine kleine hohe Krone,
19) Einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz darüber,
20) Ein verziertes gothisches ~P~,
21) Ein doppeltes römisches A mit Kreuzstrich darüber.
ad 1. Das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit einfachem Strich und einer fünfblättrigen Blume darüber; Strich und dreieckiger Spitze darunter, Nr. 19, wie solches in den Papieren der schönsten Abdrücke Dürer’scher Kupferstiche so häufig vorkommt, ist bei den Holzschnitten selten. Ich habe es nur bei _einzelnen_ Probedrücken vom Leben der Maria, der Apocalypse und der großen Passion angetroffen. Das Papier ist fast von derselben Feinheit wie bei den Kupferstichen und die Drathstriche sind 13½ bis 13¾ Linien von einander entfernt.
ad 2. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem auf einem doppelten Strich ein Kreuz und darüber eine Blume, auch wohl letztere ohne das Kreuz, sichtbar sind, Nr. 20 und 20^a, ist ebenfalls selten. Es findet sich bei Probedrücken von der kleinen Passion, bei ersten Drücken von Holzschnitten vom Jahre 1510, auch bei Probedrücken vom Leben der Jungfrau, namentlich B. Nr. 76, 93 und 94. --
Das Papier ist ebenfalls von einer feinen Masse und die Drathstriche haben eine Entfernung von 13¾ bis 14 Linien.
ad 3. Die hohe Krone, wie solche unter Nr. 21 abgebildet ist, kommt wie bei den großen Kupferstichen Dürer’s, so auch bei den schönen alten Abdrücken seiner Holzschnitte am häufigsten vor und ist stets ein _sicheres Unterscheidungszeichen_ derselben von neueren Drücken.
Unser Meister verwandte dasselbe nicht nur zu vielen der ersten Abdrücke des »Lebens der Jungfrau« und der »kleinen Passion«, sondern auch zu der Ausgabe der letzteren mit Text, wie zu anderen nicht zu großen Holzschnitten.
Die Entfernung der Drathstriche ist bei den zu Holzschnitten verwendeten Papieren mit diesem Wasserzeichen, wie bei den feineren zu den Kupferstichen gebrauchten Sorten, nicht gleich, sie wechselt zwischen 12½ bis 15½ Linien.
Papier mit diesem Wasserzeichen, jedoch in etwas veränderter Form, auch wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, findet man noch, auf einzelnen Bogen der ersten Ausgabe von Dürer’s »Underweysung der meßung, mit dem Zirckel vn̄ richtscheyt etc.«, vom Jahre 1525; es hat hier eine Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien.
ad 4. Die Waage im Kreise, Nr. 22 oder 22^a trifft man bei einem Papiere von schöner weißer Masse, dessen Drathstriche einen Abstand von 13¾ bis 14¼ Linien haben. Das Papier kommt nicht häufig vor, man findet es jedoch namentlich bei ersten Drucken aus dem Leben der Jungfrau.
ad 5. Zwei durch eine Mauer verbundene Thürme mit Zinnen, unten mit einer Spitze, Nr. 23, findet man nur selten um das Jahr 1511 -- mit einer Entfernung der Drathstriche im Papier von 12¾ Linien.
ad 6. Ein Reichsapfel mit Strich und fünfstrahligem Stern, Nr. 24 oder 24^a, befindet sich in einem Papiere von fester Masse. Dürer hat ein großes Format desselben, in welchem das Wasserzeichen Nr 24 ist, und dessen Drathlinien 15, sogar 16½ Linien Abstand haben, zu den ersten Drucken der großen Passion und zu den Probedrücken der Apocalypse, vor dem Text von 1511 verwandt; also um das Jahr 1510, ebenso zu den etwa gleichzeitigen großen Holzschnitten B. Nr. 102, 117, 120, 128 und 131. --
ad 7. Die Urne, Nr. 25 oder 25^a, trifft man bei den zweiten Drucken Dürer’scher Holzschnitte vom Jahre 1510. Die Masse des Papiers ist auffallend grob, von gelblicher Farbe, zwischen den Drathstrichen ist eine Entfernung von durchschnittlich 12½ Linien.
ad 8. Das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, kommt mit einer Entfernung der Drathstriche von 14¾ Linien bei einzelnen alten Drucken vom Jahre 1511 vor, doch trifft man dasselbe auch bei späteren Drucken des Lebens der Jungfrau, dann aber auf etwas dünnerem Papier mit nur 11 Linien Abstand der Drathstriche. --
ad 9 und 10. Ein Thurm mit einer Krone, Nr. 27, und eine sechsblättrige Blume mit Strich und dreieckter Spitze, Nr. 28, sind die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche Dürer zu den drei großen Holzschnittfolgen bei ihrer Herausgabe mit Text im Jahre 1511 gebrauchte, von ihm in seinem Tagebuche der Niederländischen Reise, die drei großen Bücher genannt. Die beiden Papiersorten sind von sehr abweichender Bearbeitung und ohne Zweifel aus zwei verschiedenen Fabriken.
Diejenige mit dem Thurm hat kenntliche Drathstriche, in einer Entfernung von 20 Linien, bei der anderen mit der Blume sind solche nicht wahrzunehmen.
Die Bogen, von auffallend fester Masse, haben bei unbeschnittenem Rande eine Höhe von 17 Zoll 3 Linien und zusammengelegt eine Breite von 12½ Zoll. Sie geben zwei bedruckte Blätter, von denen das eine Wasserzeichen, das andere keines hat.
Unser Meister verwandte zu allen drei Folgen dasselbe Format, so daß bei den wenigen Exemplaren, wo man alle drei Werke in ursprünglicher Größe beisammen findet[21], der Papierrand der Holzschnitte zum Leben der Jungfrau um so viel breiter ist, als bei den übrigen.
In der Regel wurden von den beiden Papiersorten immer ein Bogen um den andern genommen. Das Wasserzeichen mit der Blume, Nr. 28, kömmt auch zuweilen bei einzelnen andern größeren Dürer’schen Holzschnitten vor. --
ad 11. Den Anker, Nr. 29, habe ich nur bei Probedrucken der kleinen Passion angetroffen.
ad 12. Der Anker im Kreise, Nr. 30 und 30^a, ist häufiger und findet sich bei ersten Drucken von Holzschnitten vom Jahre 1515, doch auch bei solchen von den Jahren 1523 und 1525. Das Papier ist fest, wenn auch nicht von sehr feiner Masse. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 13¾ bis 14 Linien.
ad 13. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem ein Schlangenstab sichtbar ist, Nr. 31, trifft man bei ersten Drucken vom Jahre 1518 und später. Das Papier ist sehr fest und die Drathstriche haben einen Abstand von 12½ Linien.
ad 14. Ein Dreizack, in der Form von Nr. 32, ist das Wasserzeichen desjenigen Papiers, welches 1522 und 1523 zu den ersten Editionen des Triumphwagens Kaiser Maximilians, B. 139, verwandt wurde, die Drathstriche desselben sind 13¾ bis 14 Linien von einander entfernt. Das Wasserzeichen, Nr. 32^a, findet man häufig in dem Papiere der Handschriften Dürer’s.
ad 15. Ein Krug mit dem Henkel, Nr. 33, -- bei den Kupferstichen unsers Meisters, nach seiner Rückkunft aus den Niederlanden vorherrschend -- findet sich bei Holzschnitten erst 1525 in der ersten Edition von dessen »Vnderweysung der messung, mit dem zirkel vn̄ richtscheyt etc.« Das Papier ist fest und die Entfernung der Drathstriche beträgt 13 bis 13¼ Linien.
ad 16. Ein kleines Oval mit Stern, Nr. 34, ist das Wasserzeichen des Papiers, auf welchem die seltne kleine Jungfrau vom Jahre 1526, B. Nr. 98, gedruckt ist, es hat 15 Linien Abstand der Drathstriche. --
ad 17. Der stehende Hund mit Halsband und gestutzten Ohren, Nr. 35, welchen Heller für einen Bären gehalten hat[22], kommt bei Holzschnitten erst später, namentlich 1527, in Dürer’s »Underricht zu befestigung der Stett, Schlosz und flecken« vor. Das Papier hat zwischen den Drathstrichen eine Entfernung von 13 Linien.
ad 18. Das Wasserzeichen einer kleinen Krone, Nr. 36, welche oft unregelmäßig geformt ist und ein Kreuz, einen Stern, auch Kreuz und Stern oben auf dem Bügel hat, findet man nicht früher als bei ersten Drucken von Holzschnitten des Jahres 1527. Die Güte des Papiers ist verschieden, auch haben die Drathstriche einen Abstand von 12½ und 11½ Linien.
ad 19. Ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darüber, Nr. 37, kommt, jedoch selten, um das Jahr 1525 in Papieren mit 13 Linien Entfernung der Drathstriche vor. --
ad 20. Ein verziertes ~P~, Nr. 38, findet sich bei den ersten Abdrücken von dem Portrait Albrecht Dürer’s in einem Papiere, dessen Drathstriche 13½ Linien Abstand haben.
ad 21. Ein doppeltes Römisches A mit einem Kreuzstriche darüber, Nr. 39, ist das Zeichen eines Papiers von 15½ Linien Entfernung der Drathstriche, welches bei einzelnen Abdrücken der großen Passion ohne Text angetroffen wird. --
Die vorbeschriebenen Wasserzeichen sind diejenigen, welche man am häufigsten bei den alten, zu Dürer’s Lebzeiten genommenen Abdrücken seiner Holzschnitte findet; es kommen indeß einzelne Abdrücke, welche ihrer Reinheit und Schönheit nach zu diesen gezählt werden müssen, auch auf Papieren mit abweichenden Zeichen vor. Diese sind indeß theils nicht genau kenntlich, theils behalte ich mir vor, sie bei den einzelnen Blättern zu erwähnen.
Viel mannichfaltiger als bei Dürer’s Kupferstichen sind bei dessen Holzschnitten die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche man bei den späteren Abdrücken derselben antrifft, eine natürliche Folge davon: daß die Holzstöcke weit länger als die Kupferplatten brauchbare Abdrücke gaben, auch der Werthlosigkeit des Materials wegen, weniger abhanden gekommen oder zu anderen Zwecken verbraucht sind. --
Es würde zu weit führen, von allen diesen nach Dürer’s Tode vorkommenden Wasserzeichen, welche theilweise einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten begreifen, Nachbildungen zu geben, doch habe ich von einigen der wichtigsten oder am häufigsten vorkommenden Durchzeichnungen nehmen lassen. Es sind:
Nr. 40. Ein verziertes Römisches K, Entfernung der Drathstriche 12½ Linien.
Nr. 41. Das Wappen der Stadt Nürnberg, Entfernung 10½ bis 11 Linien.
Nr. 42 und 42^a. Eine Art Fischblase mit Stern oder Blume, Entfernung 10 bis 11 Linien.
Nr. 43. Zwei geschweifte, wie ein Hufeisen verbundene Thürme, Entfernung 12¾ Linien.
Nr. 44. Ein geschweiftes langes Wappen, Entfernung 12½ Linien.
Nr. 45. Ein großes geschweiftes Wappenschild mit Krone, Entfernung 11½ bis 12 Linien.
Nr. 46. Ein Wappenschild mit Querbalken, Entfernung 10 Linien.
Nr. 47. Eine Schlange, Entfernung 12 und 12½ Linien.
Nr. 48. Ein verziertes P mit dem Buchstaben A darin, Entfernung 13 bis 13½ Linien.
Nr. 49. Das Wappen von Augsburg, Entfernung 14¼ Linien.
Nr. 50. Dasselbe Wahrzeichen in einem geschweiften Schilde mit einem A darunter, Entfernung 11½ bis 13½ Linien.
Nr. 51 und 51^a. Ein doppelter Reichsadler mit Krone, Entfernung 11 Linien.
Nr. 52. Eine Lilie mit Krone, Entfernung 11, 12½ bis 13¾ Linien.
Nr. 53. Dieselbe im Kreise, Entfernung 14½ Linien.
Nr. 54. Dieselbe in einem geschweiften Wappenschilde mit Krone darüber, Entfernung 13¾ Linien.
Nr. 55. Ein Römisches E im Kreise, Entfernung 13 Linien.
Nr. 56. Eine herzförmige Figur, Entfernung 12 Linien.
Nr. 57. Ein geschweiftes längliches Wappenschild, Entfernung 13¾ Linien.
Die Beachtung der Papiere und ihrer Wasserzeichen allein, reicht indeß bei Holzschnitten eben so wenig als bei den Kupferstichen aus, um mit Sicherheit die älteren Abdrücke von den neueren zu unterscheiden. Bei den Holzschnitten bleibt das wesentlichste Kennzeichen immer die größere Schärfe und Reinheit des Drucks, sowie das Nichtvorhandensein von Aussprüngen in den Rändern, von Rissen, Wurmlöchern oder sonstigen kleinen Beschädigungen, denen die Holzstöcke bei fortgesetztem Gebrauch oder durch die Länge der Zeit ausgesetzt sind.
In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf indeß nicht unbeachtet bleiben, daß ältere Abdrücke mit Text auf der Rückseite oft weniger klar und rein sind, als spätere ohne Text. --
Mit Ausnahme der Abdrücke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre 1498, bei denen die Holzstöcke mit großer Sorgfalt geschwärzt und gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich die Abdrücke aller Dürer’schen Holzschnittfolgen -- sobald Text auf der Rückseite ist -- nicht so klar, als gute Abdrücke desselben Holzstocks ohne Schrift.
Es läßt sich dieses nur dadurch erklären, daß die zu der Schrift verwandte Druckerschwärze auch für die Holzschnitte gebraucht und weniger sorgfältig mit den damals gebräuchlichen Lederballen aufgetragen wurde.
Auch mögen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen, die den Druckern gewöhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die, durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rückseite entstandene Ungleichheit der Fläche des Papiers mit daran Schuld sein.
Die Druckerschwärze, welche bei den Dürer’schen Editionen vom Jahre 1511 gebraucht wurde, war häufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten entstanden sind.
Diese Mängel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, daß Albrecht Dürer auf die Abdrücke der im Jahre 1511 herausgegebenen Holzschnittfolgen nicht die _persönliche_ Sorgfalt verwandt hat, wie auf die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre 1498. --
Daß unser Meister übrigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schlußschriften der verschiedenen Editionen »Gedrücket zu Nurnbergk _durch_ Albrecht dürer Maler« und »Impressum Nurnberge _per_ Albertum Durer Pictorem« nicht bezweifelt werden können, auch erkennt man in den semigothischen Typen des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511 dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von welchen sie sich nur durch eine geringere, während des Gebrauchs verloren gegangene Schärfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der Jungfrau, der großen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen einander ganz gleich. --
Diese letzteren Typen kommen in Nürnberg zuerst bei einzelnen alten Drucken vom Jahre 1501 und 1502, namentlich »Opera Hrosvite« »Celtis .... libri amorum« vor, und bei der genauen Uebereinstimmung der zu diesen Werken gebrauchten Lettern, mit denen, welche Dürer zu den vorbezeichneten Folgen verwandte, wird man zu der Annahme berechtigt, daß unser Meister jene zu diesem Zweck erworben hat.
Die Druckerei in Nürnberg, in welcher sie zuerst angewandt wurden, ist mit Sicherheit nicht bekannt, doch waren diese lateinischen Typen damals noch selten, und auch an der Stumpfheit derselben bei den Dürer’schen Drucken im Vergleich zu den erwähnten Werken erkennt man, daß sie durch früheren Gebrauch abgenutzt waren.[23]
Die Gehülfen, denen Albrecht Dürer im Jahre 1511, selbst durch vielfache andere Arbeiten in Anspruch genommen, den Abdruck seiner Holzschnittfolgen überlassen haben wird, sind übrigens oft sehr nachlässig gewesen, denn die Abdrücke sind auch unter einander keinesweges gleich, und bei einzelnen Holzstöcken treten noch während des Druckes kleine Beschädigungen ein, oder werden Fehlstellen sichtbar, welche dann bei den späteren Abzügen immer bemerkbarer erscheinen.
Im Allgemeinen sind die Abdrücke der großen Passion und der Apocalypse vom Jahre 1511 die am wenigsten gelungenen, wogegen bei dem Leben der Jungfrau eine sorgfältigere Behandlung, namentlich auch eine größere Schärfe der Typen wahrzunehmen ist. Bei der kleinen Passion hat es ohne Zweifel nachtheilig eingewirkt, daß vier Holzstöcke gleichzeitig auf einem Papierbogen abgezogen wurden. --
Nach Beendigung des Drucks scheint Dürer den Holzstöcken keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, denn von späteren Abdrücken ohne Text, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen wären, findet sich keine Spur. Nur die Holzstöcke der Titel wird Dürer, vielleicht um spätere Editionen ohne sein Zuthun unmöglich zu machen, zurückgezogen und besonders bewahrt haben; da von allen vier Folgen -- wie ich bei den einzelnen derselben nachweisen werde -- diese Titel nicht bei den übrigen Holzstöcken geblieben, sondern nach Dürer’s Tode verloren oder in andere Hände übergegangen sind. --
Die Apocalypse.
Die ältesten, als solche mit Sicherheit ermittelten Holzschnitte Dürer’s, sind die 15 Blatt der Offenbarung Johannis oder der Apocalypse (Bartsch 61 bis 75), welche derselbe im Jahre 1498 sowohl mit lateinischem wie mit deutschem Text auf der Rückseite herausgegeben hat.
Für die erste Arbeit dieser Gattung ist es ein eben so umfassendes als vortreffliches Werk, und der Meister wird wohl mehrere Jahre daran gearbeitet haben, da meiner, mit C.Fr. von Rumohr[24] übereinstimmenden Ansicht nach, diese Holzstöcke sämmtlich von ihm selbst geschnitten sind. Das lebendige des Schnitts, bei der hie und da unverkennbaren Unsicherheit der Technik spricht dafür, so wie die thunlichste Vermeidung der Querstriche in den Schraffirungen[25], auch sind, wie bereits in der Einleitung erwähnt ist, gleichzeitige Holzschnitte anderer Formschneider von ähnlichem Umfange und derselben Vortrefflichkeit nicht bekannt.
Diese erste, _ganz_ vollständig, sehr selten vorkommende Ausgabe, ist neben der großen Reinheit und Schärfe der Abdrücke besonders daran kenntlich, daß das Papier kein Wasserzeichen, aber sehr bemerkbare Drathstreifen hat, welche durchschnittlich 15 Pariser Linien von einander entfernt sind.
Die zweite Ausgabe, welche Albrecht Dürer im Jahre 1511 nur mit lateinischem Text und unter Hinzufügung des Holzschnitts auf dem Titel, B. 60, veranstaltete, tritt, in Beziehung auf Schärfe und Reinheit der Abdrücke, sehr gegen die erste Ausgabe zurück, bei welcher, wie vorher erwähnt, unser Meister selbst das Schwärzen und Drucken überwacht zu haben scheint.
Ausserdem ist sie an den Papieren kenntlich, welche die Wasserzeichen Nr. 27 und 28 haben, auch sind in dem Schriftsatz des lateinischen Textes einige Abweichungen gegen die erste Ausgabe bemerklich; so steht unter anderen: Bei dem Text von Bartsch Nr. 64, in der 1. Columne, 4. Zeile, die Phrase »Item ad terciam figuram«
bei der 1. Edit. über der Ziffer VI., „ „ 2. „ über dem Worte Capitulum, in der 10. Zeile: 1. Edit: super illuz habe, 2. „ sup illum habe; in der 11. Zeile: 1. Edit: et exivit, 2. „ ⁊ exivit; in der 12. Zeile: 1. Edit: Et cum, 2. „ Et cū; in der 2. Columne, 1. Zeile: 1. Edit: Et vidi alterum angelū, 2. „ Et vidi alteꝝ angelum. Bei dem Text von B. 74 steht in 1. Columne, 1. Zeile: 1. Edit: iohannem, 2. „ Johānem; in der 4. Zeile: 1. Edit: Itē, 2. „ Item; in der 6. Zeile: 1. Edit; descē, 2. „ descen; in der 7. Zeile: 1. Edit: potestatez, 2. „ potestatem. u.s.w.
Vor dieser zweiten Ausgabe hat Dürer von einzelnen Platten Abzüge ohne Text auf der Rückseite nehmen lassen, doch nach den Papieren, auf welchen sie vorkommen und die fast durchgehends das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Stern, Nr. 24, ausnahmsweise den Ochsenkopf mit der Blume, Nr. 19, haben, nicht lange Zeit vor dem Druck mit Text. Auch findet man bei diesen Abdrücken schon einzelne kleine Fehlstellen in den Einfassungsstreifen, welche bei der ersten Edition noch nicht sichtbar sind, wohl aber bei der zweiten. Ganze Folgen kommen davon nicht vor und die einzelnen Abdrücke sind überhaupt sehr selten. Bekannt sind sie mir nur von den Blättern, B. 61, 63, 64, 65, 74. Nr. 75 ist immer ohne Text.
Diese Abdrücke, von denen man B. 61, 64 und 74 am häufigsten antrifft, sind, wenn auch nicht ganz so scharf wie die gelungensten der ersten Ausgabe, sehr kräftig und schön. Besonders malerisch erscheinen die Abdrücke der Marter des Johannes, B. 61, auf welche Dürer besondere Sorgfalt verwandt zu haben scheint.
Wenn man die Abdrücke der ersten Editionen vom Jahre 1498 mit Text als _Ersten Etat_ bezeichnet, so würden die vorbezeichneten Abdrücke ohne Text der _Zweite Etat_, die Abdrücke vom Jahre 1511 mit lateinischem Text aber der _Dritte Etat_ sein. --
Von dem Holzschnitt des Titels, B. 60, sind mir nur drei Abdrücke ohne Text bekannt. Sie haben das Wasserzeichen der zwei verbundenen Thürme mit Spitze darunter, Nr. 23, und Entfernung der Drathstriche von 12¾ Linien, der Holzstock davon muß sehr bald nach dem Abdruck im Jahre 1511 abhanden gekommen sein. Spätere Abdrücke der Apocalypse ohne Text habe ich nur selten angetroffen, man findet in dem Papier die Wappen der Städte Nürnberg und Augsburg als Wasserzeichen. Die Holzstöcke scheinen daher nicht ferner benutzt zu sein, wenngleich dieselben noch gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in Paris vorhanden gewesen sein sollen.[26] Häufig trifft man aber die alten Copien vom Jahre 1502 mit dem bei Heller, pag. 637, abgebildeten Monogramm.
* * * * *
In welcher Reihenfolge nach der Offenbarung Johannis, diejenigen Holzschnitte Dürer’s gearbeitet sind, welche keine Jahrszahl tragen, dürfte mit Sicherheit schwer zu bestimmen sein. Heller hat zwar eine Ordnung derselben versucht,[27] doch ist sie wenig begründet und, wie ich nachweisen werde, keineswegs stichhaltig.
Zu den früheren Holzschnitten, welche vor der Reise nach Venedig beendigt waren, gehören unstreitig die Blätter, B. 99, 104, 110 und 112, so wie die 17 Blatt aus dem Leben der Jungfrau, »unser Frauen-Leben«, B. 77 bis 92 und 95, da diese sämmtlich von Marc Anton mit dem Monogramm Dürer’s schon um 1506 copirt und in den Handel gebracht waren. Daß Marc Anton die Copien von dem Leben der Jungfrau jedenfalls früher anfertigte, als Dürer die ganze Folge der 20 Holzschnitte mit dem Text im Jahre 1511 herausgab, glaube ich durch Folgendes begründen zu können:
1) Auf der Copie Marc Antons von der Verkündigung, B. 83, befindet sich rechts oben, unter dem Querbalken des Zimmers, die Jahrszahl 1506, welche -- da sie auf dem Original-Holzschnitt nicht vorhanden ist -- ohne Zweifel den Zeitpunkt der Vollendung des Nachstichs bedeutet. Dieselbe Jahrszahl 1506 ist auch auf der Copie Marc Antons von dem Holzschnitt B. 112, die Heiligen Johannes und Hieronymus, vorhanden.[28]
2) Hätte Marc Anton das Leben der Maria später nachgebildet, so würde er ohne Zweifel auch die im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. 93 und 94, sowie den Titel, B. 76, copirt haben, da diese fast die schönsten Blätter der ganzen Folge sind und er späterhin die kleine Dürer’sche Passion ganz vollständig mit dem Titel nachstach.
3) Bereits im Jahre 1508 erlies der Rath zu Nürnberg ein Verbot des Verkaufs der mit dem Monogramm Dürer’s bezeichneten Nachstiche,[29] solche mußten daher damals schon im Handel verbreitet sein.
4) Waren die Nachstiche Marc Antons schon im Jahre 1506 vollendet, so klären sich die Widersprüche wegen der Reise Dürer’s nach Venedig, um gegen Marc Anton deshalb klagbar zu werden, ganz einfach durch die bekannte Reise desselben in den Jahren 1506 und 1507 auf. --
Vasari sagt in seinem Leben des Marc Antons[30], daß dieser bei den Nachstichen von Dürer’schen Holzschnitten mit dessen Monogramm solche so täuschend nachgeahmt habe, daß, da niemand wußte, die Stiche seien von Marc Anton, sie für Arbeiten Albrecht Dürer’s gehalten und als solche feil geboten und gekauft wären. Da man dieses dem Dürer geschrieben und ihm ein Exemplar dieser Nachstiche gesandt habe, so wäre derselbe so erzürnt worden, daß er sich aufgemacht habe und nach Venedig gekommen sei, um bei der Signoria über Marc Anton, welcher sich damals in Venedig aufhielt, Klage zu führen. Er habe indeß nichts anderes erreicht, als daß jener nicht ferner, weder den Namen noch das Monogramm Dürer’s in seinen Arbeiten habe anbringen dürfen. Vasari verwechselt zwar die Nachstiche der kleinen Passion mit denen des Leben der Jungfrau, indem er von ersteren anführt, sie seien mit Dürer’s Monogramm versehen, welches gerade umgekehrt der Fall ist, doch möchte kein Grund vorhanden sein, an der von Vasari so bestimmt angeführten Veranlassung der Reise Dürer’s zu zweifeln. -- Ganz übereinstimmend mit dem von Vasari berichteten Erfolg der Klage Dürer’s bei der Signoria ist es: daß Marc Anton bei dem Nachstich der ganzen kleinen Passion mit Titel, welcher erst nach dem Jahre 1511, wo Dürer solche herausgab, erfolgen konnte, nicht mehr das Dürer’sche Monogramm, sondern sein eigenes Täfelchen anbrachte.
5) Daß ein Theil der Dürer’schen Holzschnitte zu dem Leben der Jungfrau schon vor dessen Reise nach Venedig beendigt war, beweist auch die Jahrszahl 1504, welche sich auf dem schönen Blatte der Umarmung Joachims, B. 79, befindet, ein Blatt, welches zu den ausgebildetsten und vollendetsten der ganzen Folge gehört. Bartsch liest zwar die Jahrszahl 1509 und Andere, namentlich Heller, schreiben ihm hierin, wie so oft, ohne eigne Kritik nach. Doch ist der Irrthum leicht nachzuweisen, wenn man die bei Dürer gebräuchliche Form der Zahl 9 auf andern Holzschnitten, z.B: B. 31 und 37 der kleinen Passion, oder auf den Kupferstichen B. 3, 26 und 58 damit vergleicht, auch stimmt die Form der Zahl 4 mit der gleichen Zahl auf Dürer’schen Handzeichnungen vom Jahre 1504, namentlich der Verspottung Christi, der Geisselung und der Kreuzschleppung, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien genau überein.
Aus der Periode, in welcher, nach dem Vorhergehenden, Marc Anton die Holzschnitte von dem Leben der Jungfrau nachstach, ergiebt sich nun aber, daß Dürer die Abdrücke dieser 17 Blatt eher in den Handel gebracht hat, als er das ganze Werk im Jahr 1511 mit dem Text herausgab, und wir haben daher jedenfalls bei dem Leben der Maria einen nachgewiesenen _Ersten Etat_ vor dem Text.
Die Abdrücke dieses _Ersten Etats_ sind indeß keinesweges nur daran kenntlich, daß sie keinen Text auf der Rückseite haben, denn es giebt eine große Zahl von Abdrücken ohne Text, welche erweislich einer viel späteren Periode angehören.
Das sicherste Kennzeichen ist die Schärfe und Fehlerlosigkeit des Druckes, welche den besten Abzügen mit Text gleich ist, diese aber in Klarheit und malerischer Wirkung, in Folge des sorgfältigeren Auftragens der Farbe und des sorgsameren Druckens bedeutend übertrifft. Ausserdem gewähren hier die Papiere und ihre Wasserzeichen einen wesentlichen Anhaltspunkt der Erkennung, denn diese ersten Abdrücke haben entweder das Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 19 und 20, oder das der hohen Krone, Nr. 21, dieses am häufigsten, zuweilen auch das der Wage im Kreise, Nr. 22.
Auch von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken, Nr. 93 und 94, kommen Drucke ohne Text auf eben diesen Papieren vor, welche -- ihrer Schärfe und Fehlerlosigkeit nach -- ebenfalls vor der Edition von 1511 abgezogen sind und diesem ersten Etat zugezählt werden müssen.
Der schöne Titel, die Jungfrau mit dem Kinde auf dem halben Monde, B. 76, scheint erst kurz vor der Ausgabe mit Text geschnitten zu sein, denn es sind davon nur höchst wenige Abdrücke ohne Text vorhanden, welche, der Klarheit und Schönheit, wie den Papieren nach, für Probedrucke gehalten werden könnten.
Ob diese aber wirklich vor dem Text oder unmittelbar _nachher_ abgezogen sind, bleibt zweifelhaft; denn ich habe keinen dieser Abdrücke von einer solchen Schärfe und Reinheit, namentlich in den Sternen, angetroffen, wie sie bei den besten Abzügen mit Text vorkommen. Auch ist auf denselben keine Spur der fünfzeiligen Ueberschrift in großen lateinischen Buchstaben sichtbar, welche, nach der Ansicht erfahrener Xylographen auf diesem -- wie fast allgemein anerkannt -- von Dürer eigenhändig geschnittenen Blatt, von dem Meister selbst eingeschnitten, nach dem Abdruck mit Text aber von dem Holzstock entfernt ist, wie die nicht seltnen späteren und stumpferen Abdrücke desselben, welche Papierrand haben, beweisen.
Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrücke vom B. 76 haben sämmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20.
Obgleich von allen Holzstöcken des Lebens der Jungfrau Abdrücke des Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie häufig geschieht, von einer _Ersten Ausgabe_ vor dem Text reden, denn ich glaube nachgewiesen zu haben, daß Dürer diese Blätter theilweise zu verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt -- selbst in den berühmtesten und vollständigsten Sammlungen -- nicht ein einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrücke _sämmtlich_ von diesem Ersten Etat wären.
Dürer erwähnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur als großes Buch d.h. mit Text.
Nach Dürer’s Tode kommen dagegen Folgen von Abdrücken ohne Text, von sämmtlichen Blättern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel gebracht wurden.
Die Holzstöcke sind bei den ältesten dieser Folgen -- wenngleich in einzelnen Kleinigkeiten verletzt -- meist noch sehr wohl erhalten, und man kann manche der oft sehr sorgfältigen Drucke, wenn man nicht das hier untrügliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht von den Abdrücken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel kommen, wie bereits oben erwähnt, spätere Drucke ohne Text vor, die besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr. 26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der späteren Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den übrigen zusammen gebliebenen Holzstöcken getrennt und in andere Hände gekommen sein muß. --
Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es übrigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der Priorität der Abdrücke erleichtern. 80 sind auf B. 84 -- der Heimsuchung -- ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weißen Wolke, zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar, schon während des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei den späteren Abdrücken immer mehr hervortreten.
Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weiße Fehlstelle, welche zwar auch auf früheren Abdrücken sichtbar, aber nur 3 Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, während sie auf den Abdrücken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe Linie breit wird.
Eine ähnliche weiße Stelle ist schon auf den ersten Abdrücken von der Flucht nach Egypten, B. 89, links über dem obersten Fruchtbüschel des Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber später -- besonders nach unten -- weiter aus.
Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrücken nach dem Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrücken mit Text vor, auf den späteren Drucken wird dieser Sprung aber immer augenfälliger.
Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schärfe und Erhaltung der Holzstöcke nach, die früheste von denen nach Dürer’s Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrücke vor dem Text als _Ersten_, diejenigen mit Text als _Zweiten_ Etat bezeichnet, als _Dritter Etat_ erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die älteren Papiersorten zu Dürer’s Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen Abstand von knapp 11 Linien. Eine große Zahl dieser Abdrücke findet sich in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge von B. 77 bis 95 vollständig angetroffen.
Der Verleger dieser Abdrücke muß ausser den Holzstöcken des Lebens der Jungfrau noch andere Dürer’sche Holzstöcke besessen und Abdrücke davon verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man bei späteren Abzügen, namentlich von der Anbetung der Könige, B. 3, und der Verehrung der Maria, B. 101. -- Zu diesem _Dritten Etat_ des Lebens der Jungfrau sind noch _einzelne_ Abdrücke von fast gleicher Güte zu rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.
Eine nur etwas spätere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder sorgfältig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen eines großen geschweiften Wappens und einer Krone darüber, Nr. 45.
Dieses Papier mißt, unbeschnitten, in der Höhe 15 Zoll 4 Linien, in der Breite 12 Zoll 3 Linien, so daß der Papierrand der Abdrücke 2 bis 2½ Zoll beträgt.
Bei dieser Folge ist zu bemerken, daß statt der zum Leben der Jungfrau gehörenden Anbetung der Könige, B. 87, sich darin die Anbetung der Könige, B. 3, befindet und daß am Schluß die Verehrung der Maria, B. 101, angefügt ist.
Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11¾ Linien haben, ist fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die Abdrücke sind kräftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt man an der Zunahme der kleinen Aussprünge in den Einfassungs-Rändern, wie an der Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95, daß diese Edition, welche als _Vierter_ Etat zu bezeichnen wäre, später als die vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrücken von B. 3 und 101 finden sich schon die in den frühesten Abdrücken derselben noch nicht sichtbaren Sprünge ziemlich bedeutend.
Die Abdrücke dieses _Vierten Etats_ sind übrigens weit seltener als diejenigen des _Dritten Etats_. Auffallend ist bei diesen späteren Editionen die größere Schärfe und Reinheit der Abdrücke von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken gegen alle übrigen der Folge. Es bestätigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: daß die Abdrücke der 17 älteren Holzstöcke früher verbreitet und daher auch häufiger abgezogen sind als die von B. 93 und 94.
Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten spätere sehr mittelmäßige oder schlechte Abdrücke, welche neben geringer Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfraß in den Holzstöcken haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dünne Papier kenntlich sind, welches häufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. --
Die grosse Passion.
Von der durch Albrecht Dürer ebenfalls im Jahr 1511 herausgegebenen großen Passion mit Text, B. 4 bis 15, auf den pag. 48 und 49 näher beschriebenen Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 27 und 28, giebt es frühere Abdrücke ohne Text, welche sich durch Schärfe und Reinheit vor allen übrigen auszeichnen und daher als ein _Erster Etat_ bezeichnet werden müssen.
Sie sind indeß ungleich seltner wie ähnliche Abdrücke von dem Leben der Jungfrau und es scheint: daß solche erst nach Vollendung der vier im Jahre 1510 geschnittenen Blätter, B. Nr. 5, 7, 14 und 15, also kurz vor der Edition mit Text, abgezogen sind.
Das dazu verwandte Papier hat in der Regel übereinstimmend mit den wenigen gleichzeitigen Probedrucken der Apocalypse vor dem Text von 1511 das Wasserzeichen des großen Reichsapfels mit Strich und Stern, Nr. 24, doch trifft man, wie wohl selten, auch einzelne Abdrücke auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes oder der hohen Krone.
Bei einigen reinen Abdrücken, welche von den Liebhabern für Abdrücke dieses Ersten Etats gehalten werden, findet man Papier mit dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr 39, mit 15½ Linien Entfernung der Drathstriche, doch habe ich auch entschieden spätere Drucke mit diesem, sonst schon bei alten Nürnberger Drucken vom Jahr 1502 vorkommenden Wasserzeichen gefunden, denn namentlich bei der Höllenfahrt, B. 14, war unter dem Gewande des Christus, am Boden 3½ Zoll von der linken Einfassungslinie entfernt, die Spur eines feinen Sprunges des Holzstocks sichtbar, von dem auf den Abdrücken mit Text noch nicht das geringste zu bemerken ist.
Bei den Abdrücken des Ersten Etats kommen die 11 Blätter, B. 5 bis 15, gleichmäßig vor, der Titel aber, B. 4, ist, wenn er sich dabei befindet, häufig minder schön, sogar bei dem ausgezeichneten Exemplar in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und demjenigen in der Königl. Kupferstichsammlung zu Berlin. Er ist, soweit ich zu bemerken Gelegenheit gehabt habe, immer auf einem von dem andern abweichenden Papiere gedruckt, dessen Masse, mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche, von weit geringerer Güte ist.
Es scheint dieses zu beweisen: daß auch zu diesem Titel der vortreffliche Holzstock erst für den Druck geschnitten wurde.
Daß er nach Vollendung des Drucks mit Text sehr bald abhanden gekommen sein muß, beweist die Seltenheit seiner Abdrücke, und daß er bei allen später veranstalteten Editionen dieser Passion fehlt.
Von den Abdrücken ohne Text, welche erst nach der Edition vom Jahre 1511 dem _Zweiten Etat_ genommen sind und daher als _Dritter Etat_ bezeichnet werden müssen, giebt es wenige, denen man die spätere Periode nicht auf den ersten Blick ansehen könnte.
Die bessern davon sind unstreitig die vorhin bezeichneten Abdrücke mit dem Wasserzeichen des doppelten A, Nr. 39, im Papier, fast gleich gute haben ein verziertes K, Nr. 40, mit 12½ Linien Abstand. Bei den späteren Abdrücken werden Risse, denen diese großen Holzstöcke besonders ausgesetzt gewesen sind, immer sichtbarer. Solche findet man auf Papieren mit dem Wasserzeichen eines großen bekrönten Reichsadlers, mit Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien, oder eines verzierten P, Nr. 48, mit 13¾ Linien Abstand, auch einer Schlange, Nr. 47, mit 12 und 12½ Linien Entfernung der Drathstriche.
Spätere Editionen der 11 Holzschnitte ohne Text und mit einem gedruckten Titel sind veranstaltet: im Jahre 1675 durch Koppmayer in Augsburg,[31] so wie im Jahre 1680 in Ulm, doch sind die Abdrücke dieser letzten Ausgabe sehr unrein und schmutzig.
Die kleine Passion.
Von allen Werken unsere Meisters, ist die kleine Holzschnitt-Passion, B. 16 bis 52, bei weitem das verbreitetste. Es kömmt in sehr verschiedenen Zuständen vor.
Von dem Ersten Etat, vor der Edition mit Text vom Jahre 1511, giebt es einzelne Abdrücke von einer bewundernswürdigen Schärfe und Reinheit, welche auf Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit doppeltem Strich, Kreuz und Blume, Nr. 20, oder der hohen Krone, Nr. 21, abgezogen sind. Bei den frühesten dieser Drucke hat auf der Vertreibung aus dem Paradiese, B. 18, der Rückgrat der Eva 10 kleine Quer-Schraffirungen, welche späterhin weggeschnitten sind, bei welcher Gelegenheit auch dem Strich des Rückgrats bei einer geringen Verkürzung ein besserer Schwung gegeben ist.[32] Diese Aenderung wurde von Dürer jedenfalls vor der Herausgabe mit Text bewerkstelligt, indem die Querstriche auf Abdrücken mit dem Text niemals vorkommen und es auch Drucke des Ersten Etats giebt, auf denen diese Correktur bereits eingetreten ist.
Von diesem Ersten Etat vor dem Text giebt es einzelne ganze Folgen, welche ich auf Papier mit der hohen Krone sowohl als auf solchem mit dem kleinen Reichsapfel mit Stern, Nr. 24^a, angetroffen habe, bei denen aber immer der Titel, B. 16, fehlt, welcher ohne Text nicht in den Handel gekommen ist. Dieser eben so tief empfundene als vortrefflich geschnittene Holzstock, von welchem mir nur _ein einziger Probedruck_ in dem Musaeo zu Amsterdam bekannt geworden ist, wird daher nur für die Ausgabe mit Text gearbeitet und nach Beendigung des Drucks derselben abhanden gekommen sein, während die übrigen Holzstöcke sich zum größten Theile bis auf die Gegenwart erhalten haben.
Ein merkwürdiges Exemplar dieses ersten Etats befindet sich in dem Musaeo zu Amsterdam, wo die 36 Holzstöcke zu vier auf einem Papierbogen gedruckt, noch unzerschnitten erhalten sind. Der Rückgrat der Eva auf B. 18 hat bei diesen Abdrücken noch die Quer-Schraffirungen. Von den 9 Bogen dieses Exemplars haben 2 das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21, im Papier, 7 aber dasjenige eines Ankers, Nr. 29, wie er mir sonst nie vorgekommen ist.
Der Zweite Etat ist die von Dürer im Jahre 1511 mit dem Text des Chelidonius veranstaltete, sehr verbreitete Ausgabe, welche in Bibliotheken und einzelnen Sammlungen noch ab und an als gebundenes Buch mit vollem Rande vorkommt.
Sie ist auf sehr festem, schönem Papier, mit dem Wasserzeichen der hohen Krone, Nr. 21, und einer Entfernung der Drathrippen von 15 Linien gedruckt und die Blätter haben unbeschnitten eine Höhe von reichlich 7 und eine Breite von 5¼ Zoll.
Die vollständigen Folgen mit dem echten Titel sind übrigens ausserordentlich selten, wie denn von den reichen Wiener Sammlungen diejenige des Erzherzogs Albrecht allein eine solche besitzt und keine der Münchener Dürer-Sammlungen einen echten Titel aufweisen kann. Man findet die Abdrücke in Beziehung auf Klarheit merklich verschieden, je nachdem die Drucker mehr oder weniger Sorgfalt auf die Schwärzung der Holzstöcke verwendet haben. Heller[33] erwähnt nach Heinecke einer ersten Ausgabe mit Text, auf deren Titel über dem Holzschnitt die Worte:
Figurae Passionis Domini nostri Jesu Christi
und am Ende:
finit impressum Noribergae 1511
stehen sollen. Ich habe einen solchen Schluß nie zu Gesicht bekommen, er kann aber nicht echt sein, da bei allen Dürer’schen Werken mit lateinischem Text steht
»impressum Nurnberge«
niemals
»impressum _Nori_bergae«.
Die obige Ueberschrift, Figurae Passionis etc., findet sich aber auf dem Titel der ebenfalls von Heller, pag. 605, angeführten sogenannten Mommard’schen Copien dieser kleinen Passion, der sehr verbreitet ist und in vielen Sammlungen den echten Titel vertritt. Seine Ueberschrift lautet genau:
Figurae Pas sionis domini nostri Jesu Christi,
und das Papier hat das Wasserzeichen des Wappens von Augsburg.
Diese, überhaupt nicht seltenen Copien kommen auch als Buch gebunden vor und werden manchmal selbst in öffentlichen Bibliotheken für Originale ausgegeben.
Bei Bartsch haben sich ebenfalls mancherlei Irrthümer und Verwechselungen bei den Anmerkungen zu diesem Dürer’schen Werke eingeschlichen, auch stimmt die von ihm beobachtete Folge der Holzschnitte nicht mit dem Inhalte des Textes zu denselben überein, indem nach diesem auf B. 20 die Blätter 22 und 23, und dann 21 und 24 folgen.
Der Titel der Ausgabe mit Text vom Jahr 1511 ist übrigens bei Heller, pag. 602, wo dieser von der zweiten Ausgabe spricht, richtig angegeben.
Abdrücke eines dritten Etats ohne Text aber später als der Druck des Textes sind häufig. Die besseren davon haben ein festes stark geripptes Papier, mit 14 Linien Abstand der Drathstriche. Es giebt auch vollständige Folgen aller 36 Blätter von B. 17 bis 52, auf einem weichen Papier, welches das Wasserzeichen der kleinen hohen Krone, Nr. 36, hat, die aber sowohl dieses Papiers wegen, das zuerst 1527 bei Drucken Dürer’scher Werke und bei dem Holzschnitt, B. 137, vorkommt, als auch wegen Mangel an durchgängiger Schärfe und Reinheit des Drucks, erst nach Dürer’s Tode abgezogen sein werden.[34] Andere geringere Abdrücke haben ein gelbliches sehr weiches Papier, dessen Drathstriche sich schwer wahrnehmen lassen.
Ueberhaupt ist eine Classification der verschiedenen Abdrucks-Gattungen dieser späteren Etats viel schwieriger als bei dem Leben der Jungfrau, da bei diesen kleineren Blättern nur ausnahmsweise Spuren von Wasserzeichen zu entdecken sind.
Die lange beisammen gebliebenen 36 Holzstöcke sind bekanntlich später nach Venedig gewandert, wo Daniel Bissuccio im Jahre 1612 davon eine Ausgabe mit italienischen Gedichten des Mauritio Mero veranstaltete. Der Titel dieser höchst seltenen Ausgabe[35] ist bei Heller, pag. 604, richtig angegeben, das auf demselben befindliche Brustbild Dürer’s ist eine mittelmäßige verkleinerte Copie des Portraits von Peter Myriginus, Heller Nr. 73. Es ist rund, 1½ Zoll im Durchmesser und hat die Umschrift:
Imago Alberti Dureri 1553 Aetatis suae LVI.
Das Buch, dessen auf besonders festen stark gerippten, mit dem Wasserzeichen des Ankers im Kreise versehenen Papier, gedruckte Blätter 7¼ Zoll hoch und 5¼ Zoll breit sind, enthält complet -- nicht wie Heller anführt -- 40 sondern 42 Blätter mit den Custoden A bis L.
Die Holzschnitte folgen wie bei der Ausgabe mit lateinischem Text, doch kommt der Holzschnitt B. 31, Christus wird vor Pilatus geführt, zweimal vor, das zweitemal zwischen B. 32 und 33.
Die Holzstöcke sind bei dieser Italienischen Ausgabe von den Druckern, in Beziehung auf das Schwärzen, höchst nachlässig behandelt, daher ist sie sehr ungleich von Druck, jedoch zeigen die Stöcke im Allgemeinen noch eine sehr gute Erhaltung.[36] Der größte Theil derselben ist späterhin nach England gekommen und befindet sich im British Museum, wodurch die neueste Ausgabe dieser Passion durch Henry Cole, London 1844, veranlaßt ist, bei welcher der Abdruck mit, von den Originalholzschnitten genommenen galvanoplastischen Abformungen, und Ergänzung der fehlenden, namentlich des Titels B. 16, gemacht wurde.
Die übrigen Holzschnitte Dürer’s.
Bei den folgen
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